Zeitung Heute : Feiern wie damals

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Es ist erstaunlich, wie lange sich das Achtziger- Jahre-Revival schon in den Berliner Clubs hält. Kürzlich unterhielt ich mich darüber mit zwei Freunden. Wann ging es damit eigentlich los? Einer sagte, im Sommer 1998 sei ihm das erste Mal aufgefallen, dass Berliner DJs wie Fetisch oder Kaos „Blue Monday“ von New Order, „Let The Music Play“ von Shannon und „Rock It“ von Herbie Hancock spielten. Ich konnte mich daran erinnern, wie ich mich wunderte, als ich diese Parade-Stücke der 80er Jahre zum ersten Mal wieder hörte: Werden jetzt wirklich schon die Achtziger wiederbelebt? Aber ich freute mich, weil ich mir dachte: Wunderbar, dann kann man bestimmt auch bald zu Breakdance-Hits und der genialen HipHop-Old School aus den frühen 80er Jahren tanzen. Doch es sollte anders kommen.

Man hörte eingangs erwähnte Hits, plus „Billie Jean“ von Michael Jackson oder „Tainted Love“ von Soft Cell und eine Hand voll Neue Deutsche Welle-Knaller, doch irgendwann schien das 80er Jahre-Repertoire der DJs auszugehen. Aber Breakdance-Musik und Old School-HipHop waren immer noch nicht wieder aufgetaucht. Dabei gibt es so viel wunderbare Musik aus dem Jahrzehnt der Schulterpolster und asymmetrischen Haarschnitte. Warum hörte man bis heute zum Beispiel nie „Planet Rock“ von Africa Bambaataa, „Somebody’s Watching Me?“ von Rockwell oder „Operator“ von Midnight Starr? Ein Grund: Die meisten DJs scheinen die Stücke nicht zu kennen. Ein anderer: Die Berliner Clubgänger haben es offenbar leider nicht so mit Black Music.

Zum Glück gibt es jetzt die neue Partyreihe „Legacy“, die sich zur Aufgabe macht, die vielen Perlen dieser Zeit wieder auszugraben – Breakdance-Musik und Old School-HipHop inklusive. „Legacy“ heißt übersetzt Erbe oder Vermächtnis und bezieht sich in diesem Fall auf den großen Reichtum an Ideen und Groove-Entwürfen von HipHop und Funk, Disco und Electro aus den frühen 80ern und ihrer aktuellen Relevanz. Diese Musik von gestern klingt nämlich immer noch frisch und aufregend.

Bei „Legacy“ ist aber nicht nur „alte“ Musik zu hören, die stets wechselnden DJs mischen auch immer wieder Stücke aus der Jetztzeit in ihre Sets ein. Bevor sich das jetzt zu sehr nach Musikseminar anhört: Natürlich geht es bei „Legacy“ vor allem um die gute Party. Und die wird es mit Sicherheit geben, wenn „Legacy“ morgen Abend im Keller der Tucholskystraße 32 wieder zu Gast ist. Dabei können Sie auch gleich noch das Mitte-Nachtleben der mittleren Neunziger wiederbeleben. Die Tucholsky 32 war nämlich eines der ersten besetzten Häuser in Mitte, und später vor allem für seine Partys bekannt, die immer mittwochs und freitags im Keller des Hauses stattfanden. Mittlerweile ist das Haus saniert, die Besetzer sind jetzt Eigentümer und vor kurzem begann man, wieder Partys im Keller zu machen. Ob es morgen dabei wieder so heiß und schwitzig wird wie damals, als es in dem kleinen Gewölbe regelmäßig von der Decke tropfte, weil darin so ekstatisch getanzt wurde, wird sich zeigen. Aber eigentlich kann nichts schief gehen, die „Legacy“ Partys haben bisher immer gehalten, was sie versprachen.

Legacy, Tucholskystr. 32, Mitte, Samstag, ab 23 Uhr

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