Zeitung Heute : Feiern wie Nelson Mandela Deutsch-Afrikanische Messe

in Friedrichshain

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„Es reicht wenn Ihr den Nelson Mandela Shuffle macht.“ Der Vorsänger kippt den Oberkörper nach vorne und zieht mit wippendem Gang los, die Arme angewinkelt. Die Gottesdienstbesucher zögern erst, doch dann tänzeln sie tatsächlich zwischen den im Halbkreis aufgestellten Stühlen hindurch in Richtung des Spendenkorbs, der am Altar steht. „We are marching in the light of God“, singen sie, einige drehen sich um sich selbst. Sie haben offensichtlich Freude an der südafrikanischen Version der Kollekte.

Doch es geht nicht nur ausgelassen zu an diesem Sonntag in der St. Bartholomäuskirche in Friedrichshain. Den Anfang der Messe bildet ein langes Sündenbekenntnis, das Mitarbeiter des Berliner Missionswerkes vortragen. „Der Impuls der Mission wurde immer wieder von Überlegenheitsgefühlen der weißen Europäer, von Kolonialismus und Rassismus überfremdet“, lautet der erste Satz. Der Gottesdienst ist der Abschluss des Kongresses „Vom Paternalismus zur Partnerschaft – 170 Jahre Berliner Mission in Südafrika.“

Auch Ndanganeni Phaswana, der Bischof von Soweto, hat daran teilgenommen. Er hält die Predigt an diesem Sonntag, gemeinsam mit Wolfgang Huber, dem Berliner Bischof und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschland. Es geht um die Kolosserbriefe (Kol. 3, 12-17). „Ertragt einander und verzeiht einander“, heißt es dort.

„Gott hat uns die Aufgabe übertragen, uns zu versöhnen“, sagt Phaswana auf Englisch, ein Referent übersetzt. Wir seien alle ein Leib, beschwöre Paulus, niemand dürfe ausgeschlossen werden – sicher meint er damit auch die lutherische Kirche in Südafrika, der er angehört und die noch immer in schwarze und weiße Gemeinden unterteilt ist. Es dürfe aber auch niemand zur Assimilation gezwungen werden. Eigentlich könne er nur noch „Ja und Amen“ sagen, sagt Huber, fügt er aber doch einiges hinzu. Dass er sich gut an eine Rede Nelson Mandelas erinnere, erzählt er, als der seine Zeit in der Missionsschule beschrieb. Obwohl das nicht das Ziel der Lehrer gewesen sei, habe Mandela dort gelernt, sich zu widersetzen. Da habe Gott die zweideutigen Taten der Missionare zum Guten gewandelt. Doch jetzt müsse man im Sinne des Kolosserbriefes handeln und das Kleid der Liebe anlegen, jeden Tag. ase

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