Feiertage für Muslime : Osterfest und Opferfest

Ob Christen, Muslime, Nicht-Gläubige: Das christliche Osterfest feiern wir alle. Wenn nicht in der Kirche, dann doch mit einem langen freien Wochenende. Doch der Anteil der Kirchenmitglieder an der Bevölkerung schrumpft: Waren im Jahr der Wiedervereinigung noch fast drei Viertel der Bevölkerung katholisch oder evangelisch, ist der Anteil inzwischen unter zwei Drittel gesunken. Der Anteil nicht oder anders religiös gebundener Deutscher liegt nun um 40 Prozent. Zeit also für neue Feiertage? Womöglich für die mehr als vier Millionen Muslime in Deutschland? 

Das hat jetzt der Zentralrat der Muslime, einer der vier großen Verbände, vorgeschlagen. Nicht zum ersten Mal. Und nicht zum ersten Mal stieß er auf Widerstand. Für einen muslimischen Feiertag, sagt etwa der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach der WAZ, sehe er „weit und breit keine Notwendigkeit“. Es gebe hier „keine islamische Tradition“. Nordrhein-Westfalens Sozial- und Integrationsminister Guntram Schneider zeigt Verständnis, verweist aber auf Kosten: Noch mehr gesetzliche Feiertage, sagt der SPD-Politiker, wären „wirtschaftlich nicht finanzierbar“.

Der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek sieht sich da allerdings falsch verstanden. Er will keinen generell arbeitsfreien muslimischen Feiertag. Mazyek denkt daran, dass ein bis zwei Tage – zum Beispiel im Ramadan oder während des Opferfests – offiziell anerkannt werden. Gläubige hätten dann das Recht, sich an diesen Tagen freizunehmen.

Ein Vorbild gibt es schon – unter den christlichen Feiertagen: Der Buß- und Bettag ist seit 1995 zwar, außer in Sachsen, abgeschafft, es besteht aber weiter die Möglichkeit sich freizunehmen, um religiösen Pflichten nachzukommen. Schäden für die Wirtschaft, sieht Mazyek dadurch nicht. Wenn Christen ihre muslimischen Kollegen im Ramadan verträten, könnten diese dann verstärkt an Ostern und Weihnachten einspringen. Das sei im Übrigen schon in vielen Betrieben Praxis; der Staat könne aber „ein Zeichen der Anerkennung“ setzen. Auch die Aufnahme jüdischer oder buddhistischer Feiertage sei denkbar.

Gerade bei engagierten Christen stößt das Anliegen auf Verständnis. Die SPD-Politikerin Kerstin Griese, selbst Mitglied der EKD-Synode, äußerte sich positiv. Und auch Alois Glück, der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sieht zwar Probleme für eine rechtlich tragfähige Lösung der Feiertagsfrage, widerspricht aber seinem Unionsfreund Bosbach: „Mit christlicher Tradition wird man auf Dauer nicht argumentieren können.“ Andrea Dernbach

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