Zeitung Heute : Feind hört mit

Ganz ohne Agentenflair: Auf Funkwanzen und Lasertechnik verlassen sich die Abhörprofis ungern. Beliebter ist der Lauschangriff über die Telefonanlage

Kurt Sagatz

Ein Lauschangriff mit Lasertechnik macht sich sicherlich gut in einem James- Bond-Film. Den echten Abhörprofis stehen jedoch weitaus effektivere Möglichkeiten zur Verfügung“, sagt Manfred Fink, Deutschlands einziger öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abhörsicherheit. Überhaupt unterscheide sich das Vorgehen der Profis stark von den Agentenfilmen „Made in Hollywood“. Auf funkgestützte Abhörwanzen von dubiosen Internet-Versendern verlassen sich die Experten dieses Gewerbes zum Beispiel kaum. Die Gefahr der Entdeckung wäre zu groß.

Die beste Qualität beim Abhören sowie die geringste Gefahr der Entdeckung bieten nach wie vor direkt im Raum platzierte Mikrofone, die über die Elektroinfrastruktur der Gebäude genutzt werden. „Die Installation ist einfach. Da die Mikrofone keine eigene Stromversorgung brauchen, ist die Lebensdauer nahezu unendlich“, sagt der Experte für Abhörsicherheit, der seit rund 15 Jahren Wirtschaftsunternehmen und Behörden berät.

Die Mikrofone vor Ort zu installieren, sei zudem häufig kein Problem. Um sich Zutritt zu den Räumen zu verschaffen, dienen Handwerker, Bauarbeiter oder Service-Techniker als Tarnung. Fälle der Vergangenheit hätten zudem gezeigt, dass vor allem Organisationen – wie die EU in Brüssel und die OPEC in Wien und nun offenbar auch die Vereinten Nation in New York – von einer gewissen Blauäugigkeit in Sicherheitsfragen geprägt seien, kritisiert Fink. Anders als in Regierungsgebäuden und in Botschaften werde häufig nach dem Prinzip verfahren, es sei doch ohnehin alles öffentlich, was verhandelt werde.

Die Bandbreite der Abhörmöglichkeiten ist immens. Fink schätzt, dass es rund hundert Verfahren für akustische Lauschangriffe gibt. Zu den effektivsten gehört heutzutage neben dem Abhören von Mobiltelefonaten der Zugang über Telefonanlagen. Während bei Computernetzwerken inzwischen viel zum Schutz vor Angriffen unternommen werde, hinke das Sicherheitsdenken bei Telefonanlagen um mindestens zehn Jahre zurück, so Fink. 95 bis 98 Prozent der Anlagen seien für Angreifer „so offen wie ein Scheunentor“.

Dabei müssen sich die Techniker nicht einmal Zutritt zum Gebäude verschaffen. Um eine Anlage zu manipulieren, reiche es zumeist aus, den Fernwartungszugang zu benutzen. Das könne quasi von jedem Ort der Welt geschehen. Ist die Verbindung zur Anlage erst einmal eingerichtet, könne das Programm so geändert werden, dass die Räume über die in den meisten Telefonen eingebauten Lautsprecheinrichtungen überwacht und abgehört werden. Vor allem bei Konferenztelefonen und bei Videokonferenzeinrichtungen sei die Qualität der Aufnahmen überdies geradezu überragend. Und die Nachrichtendienste, sagte Fink, verfügten über genügend Experten auf diesem Gebiet.

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