Zeitung Heute : Feine Spitzen

Plauen gilt als die Wiege besonderer Handarbeit

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Die Farbe Weiß überwiegt eindeutig im SpitzenMuseum in Plauen. Sie unterstreicht die Zartheit der gestickten Deckchen, der Applikationen an Tüchern oder Kleidern. Plauener Spitze tritt rein und jungfräulich auf.

Plauener Spitzen und Stickarbeiten haben eine jahrhundertealte Tradition. Bereits um 1780 wurden in der Region in Handarbeit Stickereien angefertigt. Einen wirtschaftlichen Aufschwung brachte der Übergang von der Hand- zur Maschinenstickerei im Jahre 1857. Wenig später, im Jahr 1881, gelang dem Kaufmann Theodor Bickel eine Weltneuheit – die Herstellung maschinengestickter Tüllspitze. Das gilt als die Geburtsstunde der noch heute berühmten Plauener Spitze und die Blütezeit der Spitzen- und Stickerei-Industrie. Den krönenden Höhepunkt ihrer Arbeit erlebten die Plauener Stickereifabrikanten am 18. August 1900 als sie in Paris den Grand Prix der Weltausstellung für ihre Arbeit erhielten.

Die Wirren des 20. Jahrhunderts gingen aber auch an dieser Branche nicht spurlos vorbei. Es folgten Krisen, Wiederauferstehungen und Umwandlungen dieses Wirtschaftszweiges. Heute gibt es im Vogtland immerhin 60 Unternehmen in der Stickereibranche.

„Die Plauener Spitze, ist heute weltweit ein Begriff“, meint Renate Böhm. Die Leiterin des einzigen Spitzenmuseums in Deutschland führt Besucher aus aller Welt durch die Räume im rund 500 Jahre alten Rathaus. Das Interesse an der filigranen Handwerksarbeit zieht jedes Jahr tausende Besucher in die Stadt.

1984 wurde das Museum eröffnet und zeigt eine einzigartige Vielfalt an historischen Spitzen und Stickereien sowie aktuelle Kollektionen. Die Auswahl reicht von Tischdecken über Schals bis hin zu kostbaren Brautkleidern. Eine 90 Jahre alte Pantographenstickmaschine vermittelt einen Einblick in die Arbeit damaliger Stickerinnen. Wertvolle Musterbücher aus der Zeit um die Jahrhundertwende zeigen das traditionelle künstlerische Know-how – und Renate Böhm plaudert nicht nur bei handwerklichen, sondern auch bei historischen Fragen gern aus dem Nähkästchen.

Besucher, die auf den Geschmack gekommen sind, können sowohl im Museum als auch in vielen Geschäften in Plauen Spitzenprodukte erwerben. Einen lebendigen Eindruck von der Spitzenherstellung vermitteln die Vorführungen in der Schaustickerei.

Plauen ist aber auch jenseits der Spitzenstickerei ein beliebtes Ausflugsziel. Hierher kommt man zum Shoppen, um ins Kino zu gehen oder das Theater zu besuchen. Die größte Stadt der Region hat sogar noch eine weitere Berühmtheit zu bieten. E. O. Plauen, der Zeichner der Vater-Sohn-Geschichten, hat hier gelebt und gearbeitet. Sein Arbeitszimmer ist für Besucher nachgestellt. rok

Touristen-Information der Stadt Plauen, Unterer Graben 1, 08523 Plauen, Tel: 037 41 / 194 33. Im Internet: www.plauen.de

Veranstaltungen der kommenden Monate: 24. 4. b. 1.5.: 9. Europäischer Bauernmarkt; 15.5. b. 16.5.: Plauener Frühling, Innenstadtfest; 18.6. b. 20.6.: 45. Plauener Spitzenfest; 26.6., 30.6., 2., 4., 6., 8. und 10. 7.: „Carmen“ in der Freilichtbühne im Parktheater .

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