Zeitung Heute : Feldbusch trifft Schwarzer: Gipfel der Weiblichkeit

Kerstin Decker

Alice Schwarzer tritt zurück, streckt nach Kavaliersart schützend-geleitend den Arm aus und lässt der Jüngeren den Vortritt durch die Studiotür. Genau die Geste, die Alice Schwarzer so verachtet. Insbesondere das In-oder-aus-dem-Mantel-Helfen stelle eine perfide Verächtlichmachung des Weiblichen dar. Durch Suggestion von Hilfsbedürftigkeit! Findet Schwarzer, sinngemäß. - Alice Schwarzer, the brain.

"Brain trifft Body", hatte die "Bild"-Zeitung das Gipfeltreffen deutscher Weiblichkeit bei Johannes B. Kerner angekündigt, zu sehen am Donnerstagabend im ZDF. Es wurde ausgelöst durch Alice Schwarzers Befund: "Verona Feldbusch ist eine einzige Ohrfeige für uns Frauen", verbunden mit der Frage: "Wie doof müssen Männer sein, dass sie auf Verona abfahren?" Unklar ist, welchen Einfluss die neue Verona-Feldbusch-Werbung für eine Kleinbildkamera ("Was Verona anfasst, wird groß!") auf die Überlegungen der "Emma"-Herausgeberin hatte.

Brain trifft Body. Verona Feldbusch, the other brain, hat nicht lange über diesen Satz nachgedacht. Brain bin ich!, beschloss sie sofort, immerhin haben die Eigentümlichkeiten ihres Intellekts sie berühmt gemacht. Aber wer ist nun the Body? Alice Schwarzer? Feldbusch besieht voll unverborgenem Forschergeist die 58-Jährige mit der roten Korallenkette in schwarzem Kleid und beschließt, selbiges von nun an bloß noch "den Umhang" zu nennen. Vielleicht hat Feldbusch an Zorro gedacht. Verona Feldbusch versteht Menschen, die der Wirklichkeit allzeit mit gezücktem Florett gegenüberstehen, nicht wirklich. Die Realität, nach Feldbusch, ist vor allem was zum Wohlfühlen. Genau wie die Männer.

Verona Feldbusch und Alice Schwarzer, erfahren wir bei Johannes B. Kerner, den man ungefähr nach der dritten Spielminute fast vergessen hatte, unterscheiden sich vor allem in ihrer Einstellung zu Männern. Verona findet Männer komfortabel und nicht so besonders ernst zu nehmen. Man sollte sie nur richtig behandeln. Alice Schwarzer wiederum hält das Männer-Lieben für eine besonders verhängnisvolle Form des Leichtsinns: "Ich liebe Männer! ist ein Satz, den eine Frau mit Würde nicht sagt!" Würde. Das ist das entscheidende Wort. Verona Feldbusch blickt auf die Frau mit den flachen Schuhen. Eine selbstbewusste Frau, die fest auf dem Boden steht, trägt flache Schuhe, hatte die Schwarzer auch schon mal gesagt. Selbstbewusstsein! Würde! Sieht man damit nicht irgendwie absatzlos aus?

Verona Feldbusch bewundert Alice Schwarzer für ihre Verdienste um die Frauenbewegung. Alice Schwarzer bewundert Verona Feldbusch dafür, dass sie sich nicht von Dieter Bohlen verprügeln ließ. Aber es gibt einen neuen Druck zur Gefügigkeit auf junge Frauen, sagt Alice Schwarzer. Und sie, Feldbusch, sei das Vorbild dafür. Die verfügbare Frau! Gerade am Vorsendeabend hätten zwei gepiercte, bauchfreie Girlies sie auf der Straße angesprochen: Sie treffe doch die Feldbusch, sagen Sie ihr mal, das kotzt uns alles an! - Verona Feldbusch schaut die Frau im Umhang fest an, um kurzentschlossen von ihrer Begegnung mit Vertreterinnen eines emanzipierten Hamburger Frauenvereins am Vorabend zu berichten: Sie treffen doch die Schwarzer, sagen Sie ihr mal ...!

Verona Feldbusch nennt Alice Schwarzer immer "Alice Schwarzer". Alice Schwarzer nennt Verona Feldbusch immer "Verona". Am Anfang erwartete man fast, dass Alice Schwarzer Verona Feldbusch auch aus dem Jackett helfen würde. Aber das machte die einstige "Peep"-Moderatorin dann doch ganz allein. Es war nicht sehr viel Stoffliches unter dem Jackett. Schwarzer begutachtete die schockierende Blöße mit der Kompromisslosigkeit des Ideologiekritikers: "Ein bisschen über seine Haut rausgucken", solle doch jeder. Wahrscheinlich meinte sie Tellerränder. Man könne auch Haut zeigen und trotzdem rausgucken, schlug Verona Feldbusch vor. Feldbusch, the Brain.

Nein, Alice Schwarzer hatte keine wirkliche Chance gegen sie. Schwarzer versteht das Harmlose nicht und nicht die Freude an sich selbst. Für Verona Feldbusch ist die Welt eine erweiterte Ich-Form, "Veronas Welt" eben. Für Schwarzer ist sie vor allem eine Kampfform. Naivität steckt in beidem.

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