Zeitung Heute : Fernseh-Film: Quiz verdrängt TV-Movies

Joachim Huber

Für die deutschen Fernsehproduzenten ist es ein Fanal: RTL wird das eigentlich zweiteilige TV-Movie "Das sündige Mädchen" am 1. September komplett ab 20 Uhr 15 ausstrahlen. Das sieht nach schlichtem "Versenken" der Produktion aus, denn in der ARD wird das parallel laufende WM-Qualifikationsspiel Deutschland - England den anderen Programmen keine Chance auf eine respektable Quote lassen. Das TV-Movie wie auch andere fiktionale TV-Ware wie Serien haben es derzeit schwer im deutschen Fernsehen, namentlich bei den Privatsendern. Grund genug für die Vertreter des Bundesverbands deutscher Fernsehproduzenten, bei einem Pressegespräch am Samstag Klage zu führen.

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IFA 2001 - Technik, Tipps und Trends In diesem Jahr, sagte der Vorsitzende Bernd Burgemeister, "werden 40, 45 weniger TV-Movies produziert". Das treffe die Branche künstlerisch, vor allem aber wirtschaftlich hart. Die Kapazitäten, in den vergangenen "Boom-Jahren" kräftig aufgestockt, seien schlecht ausgelastet. Auch die öffentlich-rechtlichen Sender hielten sich derzeit in der Auftragsvergabe zurück, ergänzte die stellvertretende Vorsitzende Dagmar Rosenbauer: "Wenn vier Movies in der Produktion teurer werden als geplant, dann wird das fünfte eben gestrichen und eine Wiederholung mehr ins Programm genommen." Die Malaise treffe aber nicht nur die 90-Minuten-Produktionen, sondern auch das "Brotgeschäft" der Serien; gerade hat die ARD verkündet, in ihrem Vorabendprogramm weniger und kürzere Serien auszustrahlen - auch eine Folge des anhaltenden Erfolges von nicht-fiktionaler Unterhaltung wie dem "Quiz mit Jörg Pilawa".

Hier die Verschiebung des Programm-Angebotes, da der Kostendruck der gestiegenenen Schauspieler-Honorare. "An den Stars wollen wir gar nicht sparen, aber im Mittelfeld sind die Gagen explodiert," sagte Rosenbauer. Bei jeder Produktion würde mittlerweile die Zahl der Rollen diskutiert. Die Verbandsmitglieder vermittelten den Eindruck, als ginge das deutsche TV-Movie geradewegs Richtung Kammerspiel. Was die Produzenten auch drückt, sind die "Beckmanns dieser Fernseh-Welt", wie Vorstandsmitglied Georg Feil es nannte. Immer mehr Fernseh-Moderatoren werden selbst zu Produzenten ihrer Sendungen, was zu Lasten der etablierten Produktionsfirmen ginge. Allerdings vermieden es die Verbands-Vertreter, ihre Klage mit handfesten Zahlen zu untermauern. Möglicherweise wird auf hohem Niveau gejammert.

Eine zweite Sorge drückt den Bundesverband kaum weniger: die Novellierung des Urheberrechts durch die Bundesregierung. Nicht an Sinn und Zweck, die Rechte der Urheber maßgeblich zu stärken, zweifeln die Produzenten, was sie fürchten, ist eine Beschränkung der Rechte der Produzenten. Nach Aussage von Justiziar Johannes Kreile würde der Entwurf des Bundesjustizministeriums, sollte er in der vorliegenden Form Gesetzeskraft erhalten, die Produzenten zum "Abgang ins Ausland zwingen und zugleich den Export deutscher Produktionen behindern". Im Vorfeld eines Gesprächs mit der Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin am 5. September verdeutlichte Kreile die Position des Verbandes: "Wenn Urheber wie Autor oder Regisseur angemessen vergütet werden sollen, dann müssen das die Produzenten bezahlen." Um diesen Kostenfaktor ausgleichen zu können, stellt Kreile sich vor, dass "alle Verwertungsrechte beim Produzenten versammelt, klare Regeln für die Auswertung getroffen werden". Die Produzenten müssten vom Gesetzgeber als Teil der Urheber anerkannt werden, zudem müssten die Sender, die momentan in den Verwertungsketten eine sehr starke Stellung besäßen, finanzielle Zugeständnisse an die Produzenten machen.

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