Zeitung Heute : Fernsehmuseum

Der Tagesspiegel

Egal, was bisher wochentags um 22 Uhr im Fernsehen lief – es ist abgemeldet. Sogar Ally McBeal. Weil sie nämlich mit den Ärzten von M.A.S.H. kollidiert: mit Hawkeye, der im Morgenmantel operiert, mit Colonel Potter, dem pferdenärrischen, alten Chef und mit Oberschwester Hoolahan, genannt Hotlips. Ach ja, und mit BJ natürlich, dem Mann, der es schafft, Koteletten sexy aussehen zu lassen.

Während sich also Ally in den 125 000sten Mann verliebt (latent haben wir uns ja schon länger gelangweilt) sitzen drei Parteien eines Prenzlberger Mietshauses auf der Couch im Wohnzimmer zweiter Stock rechts und gucken M.A.S.H. Die Serie spielt im Koreakrieg – jetzt denke man aber bitte nicht, dass die Mietshäusler blutrünstig seien. Schließlich sind Ärzte immer die Guten und gegen Krieg, und überhaupt geht es in M.A.S.H. viel mehr darum, wie Menschen aus einem Ort, an dem sie gar nicht sein wollen, das Beste herausholen. Insofern macht M.A.S.H. Zuschauer zu Optimisten.

Darüber hinaus haben alle drei Parteien ihren eigenen Liebling. Der erste Stock liebt die Kapriolen Max Klingers, des libanesischen Neu-Amerikaners, der im Militärcamp in Frauenkleidern herumläuft, um als Verrückter nach Hause geschickt zu werden. Der dritte Stock liebt BJ, den Mann mit der weichen Seele, der seine Frau Peg vermisst, der dritte Stock ist eben Romantiker. Und der zweite Stock liebt Alan Alda. Alda spielt die Hauptrolle: Hawkeye Pierce, Chefchirurg, vordergründig Spaßvogel, hintergründig Zyniker – halb Kind im Mann, halb einsamer Wolf. Der zweite Stock behauptet nicht, ein besonders originelles Bild vom Traummann zu haben.

Tragisch nur: Alan Alda war schon mittelalt, als die Serie Anfang der 70er gedreht wurde. Und weil deshalb nicht die Aussicht besteht, den Schauspieler in aktuellen Produktionen wiederzusehen, wird eben M.A.S.H. geguckt. Jeden Abend zwei Wiederholungen auf Neun Live. Ach ja, es soll ein Buch geben zur Serie. Kennt das wer? Bitte melden bei . . . Christine-Felice Röhrs

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