Fernstudium : Mit Kind und Kegel zur Klausur

Zwei Söhne, ein Job – und der Wunsch nach mehr. Ulrike Bungert begann ihr Fernstudium in der Elternzeit.

Hoch hinaus. Wer beruflich nicht hängen bleiben will, kann sich auch in der Babypause weiterbilden.
Hoch hinaus. Wer beruflich nicht hängen bleiben will, kann sich auch in der Babypause weiterbilden.Foto: picture alliance / dpa

Ich will mehr – so viel stand für Ulrike Bungert fest. Kaum hatte die Saarbrückerin ihren Hochschulabschluss in Sozialpädagogik in der Tasche, da packte sie der Ehrgeiz. Doch mit zwei Kindern und einer Teilzeitstelle kam ein weiteres Präsenzstudium nicht infrage. Zumal ihr zweiter Sohn erst ein Jahr alt war. „Viele Masterstudiengänge waren außerdem entweder wahnsinnig teuer oder wir hätten umziehen müssen“, sagt die heute 36-Jährige. Also suchte sie nach einer Alternative, die mit der Elternzeit gut vereinbar war. Ein Fernlehrgang schien die perfekte Lösung zu sein.

Schon während ihres ersten Studiums war Ulrike Bungert in diversen Projekten als Sozialarbeiterin tätig. Sie betreute Klein- und Schulkinder und begleitete Mädchen aus schwierigen Verhältnissen. Nebenbei schrieb sie für Werbebroschüren und Webseiten. 2001 gewann sie sogar den ersten Preis bei einem Wettbewerb der Texterschmiede Hamburg. Dennoch fühlte sie sich in ihrem Job nicht genug gefordert. „Von einer großen Karriere habe ich nie geträumt. Auf ein hohes Gehalt konnte ich gut verzichten.“

Was ihr fehlte, war der Gestaltungsspielraum. „Ich wollte mich gesellschaftlich einbringen und dabei Entscheidungen selbst treffen.“ Sie fing an, sich nach einer sinnvollen Ergänzung umzuschauen. In die therapeutische Richtung wollte sie nicht, „zu viel Esoterik“. Dann lieber etwas Praktisches, dachte sie. Außerdem lagen ihr Zahlen schon immer gut. Und weil gemeinnützige Projekte stets mit wirtschaftlichen Zwängen konfrontiert sind, fiel ihre Wahl auf ein BWL-Studium.

Der Übergang war fließend: Im Sommer 2005 schloss sie Sozialpädagogik ab, im Oktober meldete sie sich für ein Fernstudium an der Hochschule Wismar an. Zunächst für ein Probesemester. „Der Beitrag war sehr günstig. Und ich konnte testen, ob ich es packe.“ Schnell habe sie ein Paket mit den gesamten Lernmaterialien nach Hause zugeschickt bekommen. Dabei entsprachen nicht nur die Inhalte genau ihren Vorstellungen, auch die flexible Lernmethode ließ sich gut in den Alltag einfügen. Damit war die Entscheidung gefallen.

„Ich konnte in meinem eigenen Tempo arbeiten und mehrere Kurse gleichzeitig absolvieren. Nur zu Prüfungen musste ich persönlich hin.“ Doch selbst da war es ihr wichtig, dass die Familie nicht auf der Strecke blieb: Während Mama die Klausuren schrieb, erkundeten Papa und die Kinder die Stadt. Mit dieser Unterstützung schaffte sie die ersten vier Semester sogar in nur einem Jahr.

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