Zeitung Heute : Festgottesdienst auf A 19: Kraft schöpfen

Die Feldsteinkirche von Kavelstorf bei Rostock liegt nur 800 Meter von der Autobahn A 19 entfernt. Schon von weitem ist ihr wuchtiger Turm zu sehen und ermuntert immer wieder vorbei Fahrende zu einem Abstecher. Zwei bis drei Autos seien in diesem Sommer täglich von der Betonpiste abgebogen, um die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert zu besichtigen, sagt der evangelische Gemeindepastor Johannes Wolf.

Doch bislang standen jene Besucher, die der Sakralbau angelockt hatte, zunächst vor verschlossenen Türen. Die Kirchentür wurde interessierten Gästen nur dann geöffnet, wenn sie darum baten. Das wird sich von heute an ändern: Der Sakralbau wird in einem eigens angesetzten Festgottesdienst ganz offiziell als erste Autobahnkirche Mecklenburg-Vorpommerns eröffnet.

Die Kirche werde künftig täglich zwischen 8 und 20 Uhr ihre Tür geöffnet haben, sagt Wolf. Mit seiner schlichten und freundlichen Atmosphäre animiert der vor 15 Jahren renovierte Innenraum zu Meditation und Ruhe. Eine brennende Kerze, Bibeln und Gebetshefte sollen den Besuchern helfen, sich zu entspannen, zu besinnen und so neue innere Kraft zu schöpfen.

Sechzehn Autobahnkirchen gibt es bislang in Deutschland. Ein Drittel ihrer Besucher stehen nach Angaben der Kasseler Akademie "Bruderhilfe Familienfürsorge" der Kirche eher fern. In einigen Autobahnkirchen werden inzwischen regelrechte "Dialoge mit Unbekannten" geführt, die durch Eintragungen in ausliegende Gästebücher angeregt wurden.

"Auch in Kavelstorf wird es ein Gästebuch geben", sagt Pastor Wolf. Parkplätze seien bei der Kirche bereits vorhanden, müssten aber noch beschildert werden. Für die Besucher fehlten jedoch die sanitären Anlagen. Die 720 Mitglieder zählende Kirchgemeinde müsse dafür allerdings Fördermittel beantragen, eine langwierige Sache.

Die Gemeinde hoffe zudem, dass die Kirche bekannter wird und dadurch finanzielle Unterstützung für notwendige Sanierungsarbeiten erhält. Dafür fehlten derzeit noch mindestens 500 000 Mark, erklärt Wolf. Gegenwärtig werden an der Nordseite des Kirchenschiffes bedrohliche Schäden durch Hausschwamm beseitigt.

Doch mit mehr Gästen von der Autobahn dürfte erst dann zu rechnen sein, wenn die entsprechenden Hinweisschilder entlang der Autobahn A 19 angebracht sind. Das soll nach Angaben des Straßenbauamtes Schwerin noch bis Ende dieses Monats geschehen. Und wenn Mitte Dezember das Teilstück Wismar-Rostock der Ostseeautobahn A 20 für den Verkehr frei gegeben wird, werden - so die Hoffnung - auch von dort Reisende kommen. Denn von der neuen Betonpiste bis zur Kavelstorfer Kirche sind es nur etwa vier Kilometer.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar