FESTIVALBerlin Music Days : Wir tanzen einfach weiter

Jörg W er

Es blieb bei einem eher verhaltenen Aufschrei, als die diesjährige Popkomm per Handstreich in einem Bermuda-Dreieck aus vorauseilendem Katastrophismus, haarsträubenden Schuldzuweisungen und Dilettantismus versenkt wurde. Von vielen wurde die Branchenmesse ohnehin als nicht mehr zeitgemäßes Selbstdarstellungsvehikel einer zunehmend obsoleten Musikindustrie bewertet – und ihre Absage als Befreiung aufgefasst. Da allerdings ein Großteil des musikalischen Begleitprogramms bereits fest terminiert war, wurde nach einem alternativen Aufhänger gesucht und mit den Berlin Music Days, kurz BerMuDa, auch gefunden.

Wie es der gegenwärtigen Weltpartyhauptstadt zusteht, wird ab dem 16. September in 20 Berliner Clubs, darunter alle international bekannten Locations wie Berghain, Weekend, Watergate, WMF, Tape, Maria, Tresor und Cookies, ein viertägiges Dancefloor-Feuerwerk abgefackelt. Die Liste der Teilnehmer liest sich wie ein Who is who elektronischer Clubmusik: Richie Hawtin, Monika Kruse, Dixon, Ellen Allien (Foto), Ralph Ballschuh, Munk, 4Hero, Shut Up And Dance, Josh Wink, Tiefschwarz, Pitchtuner und zahllose andere Akteure werden Plattenteller und Festplatten zum Glühen bringen. Wenn BerMuDa die erhoffte Resonanz findet, könnte es als spätsommerliche Ergänzung zum legendären Sonár-Festival in Barcelona zur Institution werden. Und wer nicht nur tanzen, sondern auch noch über Krisen und Chancen der Popmusik im Zeitalter ihrer unbegrenzten Verfügbarkeit reflektieren möchte, kann das am 18. September beim „All together now“-Thinktank im Radialsystem. Jörg Wunder

Versch. Orte, Mi-Sa 16.-19.9., Infos: www.bermuda-berlin.de

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