FESTIVALClub Transmediale : Die neue Unübersichtlichkeit

Jörg W er

Der performative Anteil bei Auftritten mit elektronischer Popmusik hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen: Genügte früher meist wichtigtuerisches Laptop-Tastengedrücke, so traut sich heute ohne spektakuläre Visuals, bizarre Kostümierungen, agile Tanzeinlagen oder hysterische Gastvokalisten keiner mehr vor ein größeres Publikum. Aber was heißt schon elektronische Musik? Die Interdisziplinarität geht mit einer neuen Unübersichtlichkeit einher, die auch bei der elften Auflage von Club Transmediale für aufregende Unschärfen sorgt. Bis zum 7.2. kann man sich vor allem in der neuen Wirkungsstätte des nomadisierenden WMF mit allerlei durchgeknalltem Spinnerkram die Nächte um die Ohren schlagen.

So dürfte der digital rhythmisierte Freak-Folk von Planningtorock (Fr, ab 23 Uhr) ebenso verblüffte Gesichter hinterlassen wie die von Daniel Haaksman eingefädelte Clubnacht mit dem assoziationsreichen Titel „Heat“, bei der die Alles-durch-den- Wolf-Dreher Schlachthof Bronx sicher zu den Abräumern gehören werden (Sa, 23 Uhr). Noch weiter von der reinen Electronica-Lehre hat sich Keiji Haino (Foto) entfernt, wie schon die zeichenhaft umgehängte Telecaster-Gitarre belegt: Zwischen Noiserock-Gehäcksel, Songwriter- Miniaturen und Hastunichtgehört-Techno ist nichts sicher vor der japanischen Freistil- und Improv-Legende. Haino tritt am Sonntag solo auf, abends darauf gemeinsam mit den Finnen Ilpo Väisänen und Miko Vainio, die als Pan Sonic auch schon seit gut 15 Jahren mit ihren Splatter- Sounds Furcht und Schrecken verbreiten. Jörg Wunder

verschiedene Orte, ab Do 28.1., 12-16 €, Festivalticket 70 €, Infos: www.clubtransmediale.de

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