FESTIVALHelsinKissBerlin : Morgens Fango, abends Tango

Jörg W er

Finnische Popmusik ist in der Wahrnehmung von außen oft mit Klischees verbunden. Das muss kein Nachteil sein: Ob rührende Amateurkapellen in Kaurismäki-Filmen oder der Kasperletheater-Metal der Grand-Prix-Gewinner Lordi, meist kommen Musik und Auftreten der Nordeuropäer ebenso schrullig wie sympathisch daher.

Das Festival „HelsinKissBerlin“ bietet die Gelegenheit zur Vertiefung musikanthropologischer Forschungen zum Thema. Über 50 finnische Pop-Acts drängeln sich bis zum 30. April auf diversen Konzertbühnen der Stadt. Dabei dürfen notorische Aus-der- Reihe-Tänzer wie der nicht nur in seiner Heimat ungemein populäre Nordkap-Tangokönig M. A. Numminen nicht fehlen. Dessen Auftritt im Quasimodo (29.4.) wird flankiert von schrägen Vögeln wie dem Mundharmonika-Orchester Sväng (Foto) und Marko Haavisto & Poutahaukat, die in Kaurismäkis „Mann ohne Vergangenheit“ die herzzerreißende Heilsarmee-Band verkörperten.

Daneben gibt es so unterschiedliche Highlights wie Punkrock unter dem irreführenden Bandnamen Disco Ensemble (Columbia Club, 25.4.), die temperamentvollen Humppa-Apologeten Eläkeläiset (Lido, 26.4.), eleganten House von Luomo (Weekend, 26.4.), Folkrock-Wahnsinn von 22-Pistepirkko (Magnet, 26.4.), hitparadentauglichen Darkpop von Negative (Columbia Club, 28.4.), atemloses Metalgeknirsche von Diablo (Knaack, 27.4.) oder knispelnden Elektropop von Op:l Bastards und Aavikko (Club 103, 25.4.). Nicht schlecht für ein Land, das nicht mal doppelt so viele Einwohner wie Berlin hat. Suomi rocks!Jörg Wunder

verschiedene Orte und Preise, bis Mi 30.4., siehe Programmteil und www.helsinkissberlin.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar