FESTIVAL„Lux Aeterna“ : Die Geister, die ich rief

Alexandra Distler

Eigentlich ist es ganz einfach mit der Musik: hören, für gut befinden, kaufen, wahlweise downloaden, archivieren, besitzen. Musik ist überall, mal nervtötend, mal stimmungsvoll, meist in dreiminütige, zum Verzehr geeignete Happen verpackt, verfügbar und konsumierbar. Doch am Donnerstag und Freitag verabschiedet sich die Musik von ihrem Produktcharakter, wenn es heißt: „Ein Gespenst geht um in der Welt – das Gespenst der Musik!“

Zwei Nächte lang verlässt Musik die materielle Welt und wird schwebend, spirituell und transzendent. Schon das Setting des Festivals lässt auf mangelnde Bodenhaftung schließen. Zum einen ist da der Titel „Lux Aeterna“, ursprünglich ein an das Agnus Dei anschließender Teil in der liturgischen Totenmesse, der um das ewige Licht bittet, das dem Verstorbenen leuchten möge. Zum anderen die Location, das Berghain, das für hedonistische Dauerparties steht, für Techno und Rausch. In diesem Spannungsverhältnis finden nun Künstler der alten und neuen Musik zusammen, werden Werke unter anderem von Hildegard von Bingen oder Henry Purcell auf Laute und Blockflöte zu hören sein, John Cages „Sonatas and Interludes“ am präparierten Klavier oder Kompositionen des Rumänen Iancu Dumitrescu, interpretiert vom zehnköpfigen Berlin-Bukarester Ensemble Mosaik (Foto). „Woran wir Menschen merken werden, dass wir gestorben sind“, erfährt man in einem Vortrag von Schriftsteller Dietmar Dath, und der Londoner Vindicatrix operiert mit elektronischen Schauergeschichten. Genügend Stimmen also, um die Geister zu rufen, die dann für zwei Tage nicht mehr wegzubekommen sind.Alexandra Distler

Berghain, Do/Fr 10./11.3., Tageskarte 19 €,

Festivalticket 29 €, Info: www.aeternal-music.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben