FESTIVALNasser Marint-Gousset und Oliver Dubois beim Tanz im August : Diebe und Triebe

Sandra Luzina

Die Männer sind diesmal gut aufgestellt beim Tanz im August. Die beiden Franzosen Nasser Martin- Gousset und Olivier Dubois sind beide vorzügliche Performer, ein dünner Schlaks der erste, ein rundlicher Sinnenmensch der andere. Beide setzen sich in ihren Arbeiten mit großen Vorbildern auseinander.

Martin-Gousset schleicht sich im Prolog zu „Comedy“ auf leisen Sohlen an – als Gentleman-Ganove mit Schiebermütze, der es auf einen gigantischen Diamanten abgesehen hat. Der Choreograf selbst gibt sich hier als Meisterdieb zu erkennen: Den Plot hat er offensichtlich von Blake Edwards Gaunerkomödie „Pink Panther“ abgeschaut. Zu Bestaunen ist ein Defilee der edlen Roben und extravaganten Hüte. Balzrituale im Champagnerrausch sowie apathische Klammertänze im Vollsuff. Ein Clou ist die Combo, die entspannten Westcoast-Jazz von Dave Brubeck und Paul Desmond spielt. Der coolste Hund ist Nasser Martin-Gousset selbst, der bekannte Posen zitiert und dabei ungemein lässig aussieht. Was als Tribut an die Coolness der Sechziger beginnt, wird zum melancholischen Abgesang.

Olivier Dubois wandelt in „Faune(s)“ auf Nijinskys Spuren. Er zeigt zunächst eine Rekonstruktion des Skandalstücks „L’apres-midi d’un faune“. Die drei Neuinterpretationen zeigen dann das Dilemma eines modernen Fauns, dessen sexuelles Begehren keine Erfüllung findet. Dubois spannt den Bogen zwischen Tragik, Komik und Selbstironie. Freuen darf man sich auf ungezähmte Männlichkeit. Sandra Luzina

Nasser Martin-Gousset, „Comedy“: Radialsystem V, Do/Fr 21./22.8., 20 Uhr , 24-28 €, erm. 18 €;

Olivier Dubois, „Faune(s)“: Haus d. Bln. Festspiele, Fr/Sa 22./23.8., 20 Uhr, 20 Uhr, 15-25 €, erm. 10-15 €

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