FESTIVAL„Re Asia – Avatar. Asiens Erzähler“ : Bombay ist Babylon

Gregor Dotzauer

Er war immer ein „Weltensammler“, wie sein berühmtester Roman heißt. Ilija Trojanow (Foto), 1965 in Sofia geboren, hat in München afrikanische Literatur verlegt, den Globus in allen Himmelsrichtungen bereist und mehrere Jahre in Bombay gelebt. Dort lernte er den Dichter Ranjit Hoskoté kennen, mit dem zusammen er den Essay „Kampfabsage“ veröffentlichte – eine Antwort auf Samuel P. Huntingtons „Kampf der Kulturen“. Für das Haus der Kulturen der Welt hat hat er nun in Ergänzung zur Ausstellung „Re-Imagining Asia“ das fünftägige Literaturfestival „Avatar – Asiens Erzähler“ kuratiert.

Im Mittelpunkt steht der Versuch, eine „Migration der Mythen“ nachzuzeichnen. Beginnend mit dem indischen Nationalepos, dem „Ramayana“, erklärt Hoskoté im Gespräch mit Trojanow und dem Choreografen Joachim Schloemer (Do 17.4., 19 Uhr), wie sich der Text im Lauf von 1500 Jahren an die unterschiedlichsten politischen und kulturellen Herausforderungen anpasste. Qassim Haddad aus Bahrain erörtert seine Adaption des arabischen Liebesepos „Leila und Madschnun“ (Fr 18.4., 18 Uhr). Der Inder Girish Karnad stellt seinen dramatischen Monolog „Blumen“ vor, der mit überkommenen Vorstellungen von Glaube, Moral und Schuld ins Gericht geht (Sa 19.4., 15 Uhr).

Shashi Taroor, bis vor kurzem Stellvertreter von Kofi Annan bei der UN , präsentiert seine Variation auf das „Mahabharata“-Epos vor: „Das große Indien“. Raoul Schrott schließlich erklärt noch einmal, wie Homers „Ilias“ Anleihen beim babylonischen Gilgamesch-Epos nimmt (So 20.4., 12 Uhr). Gregor Dotzauer

Haus der Kulturen der Welt, bis So 20.4., 5 €, erm. 3 €, Infos: www.hkw.de

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