FESTIVAL„Tempelhof liest“ mit Sibylle Lewitscharoff : Ein Löwe für Blumenberg

Noemi Hahnemann
Foto: Mike Wolff

Nichts gegen Tempelhof. Aber wer bis vor kurzem behauptet hätte, dass dort eine Woche lang „Markante Autoren an markanten Orten“ lesen, wie es das Motto des Festivals „Tempelhof liest“ behauptet, wäre des schleichenden Irrsinns bezichtigt worden. Seit letzten Sonntag aber muss man den Wahnsinn der Veranstalter loben, die ein Programm zusammengestellt haben, das Thomas Pletzinger mit seinem „Begräbnis eines Hundes“ in den Flughafen Tempelhof bringt (Do, 19 Uhr) und Rolf Hochhuth und den Maler Johannes Grützke zu einem Georg-Elser-Abend ins Ullsteinhaus (Do, 20 Uhr). In der Dorfkirche trägt tags darauf Christian Brückner, Deutschlands berühmteste Literaturstimme, aus Umberto Ecos „Foucaultschem Pendel“ vor (Fr, 19 Uhr). Und der Samstagabend gehört den Beatles – rein literarisch, versteht sich. Friedhelm Rathjen, Biograf und Übersetzer, stellt seine Dokumentation „Von Get Back zu Let It Be – Der Anfang vom Ende der Beatles“ in der Ufa Fabrik vor, wo sich auch Nicola Bardola mit seinem Buch über John Lennon vorstellt (Sa, 20 Uhr).

Am selben Ort gibt es um 16 Uhr eine Premiere, die man eher in den Literaturhäusern der Stadt vermuten würde. Sibylle Lewitscharoff (Foto) stellt im Gespräch mit Tagesspiegel-Redakteur Gregor Dotzauer ihren im Entstehen begriffenen Roman „Blumenberg“ vor. Sie lässt darin ihren Fabulierwitz und ihre denkerische Energie an einem Mann aus, der, zurückgezogen, wie er lebte, gar keinen Romanstoff abzugeben scheint: der Münsteraner Philosoph Hans Blumenberg. Aber dann sucht ihn ein Löwe heim – ein Wappentier seines schriftstellernden Denkens. Noemi Hahnemann

täglich bis Sa 27.11., verschiedene Orte, jeweils 10/7 €, Infos: www.tempelhof-liest.de

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