FESTIVALtransmediale „afterglow“ : Perlen im Handymüll

Wie fast jedes Jahr tritt die transmediale, eines der ältesten und größten Festivals für digitale Kultur, mit einem verstörenden Gedankenspiel an: Aus dem digitalen Exzess, aus Datenüberfluss und dem schlimmen, in Entwicklungsländern abgeladenen Müll, der von Smartphones und Computern übrig bleibt, könnte eine neue Kultur erwachsen. Aber wie genau sieht eine Kultur aus, die Handyschrottberge toleriert? Was kann digitale Überwachung kulturell bringen? Oder die durch Dauer-Onlinepräsenz hervorgerufenen Identitätskrisen?

Was die transmediale zuverlässig liefert, ist ein unerschütterlicher Optimismus, gewürzt mit einer gewissen Abgeklärtheit. Die Technik ist da, sie lässt sich nicht einfach wieder wegpacken. Wir müssen – und dürfen – damit umgehen. Brav über die von Großkonzernen gelieferten Bildschirme zu streicheln, ist allerdings kein guter Weg; auch nicht kulturpessimistische Nörgelei. 70 Künstler und Hacker haben beim „Art Hack Day“ der transmediale die Ärmel hochgekrempelt und in 48 Stunden eine Ausstellung zusammengestellt: Kunst, Technik, Unternehmertum und Open Source, all das wurde hier miteinander verquirlt, in der Hoffnung, dass sich neue Wege auftun, mit der digitalen Realität umzugehen. Das erfahrungsgemäß sehr sehenswerte Filmprogramm des Festivals thematisiert unter anderem die „Ängste der Aussortierten, an den Rand Gedrängten, ihre Identität Verlierenden“. Die Künstler Jamie Allen and David Gauthier visualisieren in einer riesigen Tech-Skulptur alle Datenströme, Materialien, Ressourcen, die mit der transmediale zusammenhängen. Birgit Rieger

Haus der Kulturen der Welt (und andere Orte), bis So 2.2., 11-23.30 Uhr (So 11-23 Uhr), ab 8/5 €,

Tagespass 25/20 €, www.transmediale.de

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