Zeitung Heute : Feuchtwanger lebt

Der Tagesspiegel

Wissen Sie, was Pausenclown-Subversivität ist? Die hat angeblich am 9. März in Berlin-Treptow stattgefunden – auf der alljährlichen Preis-Verleihung des Art Directors Club für Deutschland, ADC. Die Veranstaltung wurde bereits im Tagesspiegel besprochen. Nur ohne den verbalen Urknall „Pausenclown-Subversivität“. Den schuf ein gewisser Jost Kaiser für die „Süddeutsche Zeitung“, die neben dem Tagesspiegel zu meinen Leib- und Magenblättern gehört.

Offenbar will Jost damit irgendetwas Despektierliches über die Werbebranche sagen, was ich jedem Journalisten zugestehe. Nur nicht einem Journalisten, der in Bayern lebt. Das Ehrenmitglied des ADC nennt er „mutmaßliche Betriebs-Nudel“. Der Kunde des Jahres (Astra-Brauerei) „durfte seinen massigen Körper auf die Bühne schieben“. Und das anschließende Fest war bevölkert von „Reklamebengeln mit Irokesenhaarschnitt und zerrissenen Jeans“.

Kann sein, dass tatsächlich vier oder fünf Irokesen vor Ort waren. Aber selbst hundert von ihnen sind mir lieber als die rechtslastigen Fettgesichter, die am Aschermittwoch bereits um zwölf Uhr Mittags extrabreit die Nibelungenhalle in Passau bevölkern. Ich finde sie auch sympathischer als das hochfeine Volk, das sich zum Bayerischen Filmpreis im Münchner Prinzregenten-Theater einfindet. Und unsere mutmaßliche Betriebsnudel Otti Serverin kommt mir tausend Mal menschlicher vor als der vollgegiftete Edmund Stoiber, die bayerische Kampftaube.

Jost Kaiser hat mit seinen Anwürfen einem der genialenen Söhne Bayerns – die gibt es auch – Recht gegegeben: Lion Feuchtwagner. Der wollte schon 1930 in seinem Roman „Erfolg“ aus der oberbayerischen Hochebene einen großen Naturschutzpark machen, in welchem man die Bewohner wie Primaten bestaunen kann. Reinhard Siemes

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