Zeitung Heute : Feuerfest

Eine Woche nach dem Gipfel von Akaba eskaliert wieder die Gewalt. Raketenangriffe in Gaza. Selbstmordattentat in Jerusalem. Doch in Israel wächst der Optimismus – das zeigen Umfragen. Die Menschen akzeptieren einen Palästinenserstaat und setzen auf den Friedensplan.

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

BOMBEN GEGEN DEN FRIEDEN – WIE GEHT ES WEITER IN NAHOST?

Von Charles A. Landsmann,

Tel Aviv

Das Gipfeltreffen von Akaba hat im Nahen Osten große Hoffnungen geweckt und in der Bevölkerung einen bemerkenswerten Optimismus ausgelöst. Diese Gefühle konnte auch die wenig später erneut eskalierende Gewalt nicht wirklich trüben. Zwar kann Mahmud Abbas sein in Akaba gegebenes Versprechen, den Terror zu bekämpfen, noch nicht einhalten. Auch reagierte Ariel Scharon erneut mit Hubschraubern und Raketen. Trotzdem ist in Israel die Stimmung deutlich hoffnungsvoller als bisher.

So hatte Scharon zwar geschworen, „niemals unter Feuer zu verhandeln" – also keine Gespräche zu führen, solange gebombt und geschossen wird. Trotzdem will er sich nächste Woche erneut mit Abbas treffen. Scharon scheint entschlossen, sich auch durch die jüngsten Anschläge nicht von seiner insgesamt moderaten Linie abbringen zu lassen. Er hat zwar eine laute innerparteiliche und militante außerparlamentarische Opposition gegen sich, wie der Likud-Parteitag und die Proteste zu Beginn der Räumung einiger illegaler Mini-Siedlungen bewiesen. Doch die große Mehrheit der Israelis steht hinter ihm. Die Zahl der Befürworter seiner Politik nimmt ebenso zu wie die Zahl der Optimisten. Das belegen die neuesten Meinungsumfragen.

Am Mittwoch, dem Tag des Jerusalemer Busattentats, sprachen sich laut einer Umfrage des staatlichen Radios 57 Prozent für die Road Map aus. Im Vormonat waren es nur 48 Prozent gewesen. Obwohl der von dem internationalen Nahost-Quartett ausgearbeitete Friedensplan die Gründung eines palästinensischen Staates und die Räumung israelischer Siedlungen vorsieht, wurde er sogar von 55 Prozent der konservativen Likud-Wähler befürwortet. Der angelaufenen Räumung illegaler Kleinsiedlungen stimmten 65 Prozent zu. Vom palästinensischen Premier Mahmud Abbas glauben 59 Prozent, dass er die Road Map zum Frieden umsetzen will. Allerdings meinen 65 Prozent der Befragten, Abbas werde sich gegenüber seinen Landsleuten nicht durchsetzen können.

Zu ähnlichen Trends kommt auch die soeben veröffentlichte jährliche Umfrage des angesehenen „Jaffa Zentrums für Strategische Studien" der Universität Tel Aviv. Die Kompromissbereitschaft in der israelischen Bevölkerung gegenüber den Palästinensern wächst. Inzwischen sprechen sich 59 Prozent für einen Staat Palästina aus, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Ebenfalls 59 Prozent stimmen nach dieser Umfrage der Räumung aller Siedlungen außerhalb großer Siedlungsblöcke zu und 56 Prozent votieren für einen einseitigen Rückzug unter Aufgabe von Siedlungen.

Trotz des Kleinkriegs mit den Palästinensern und trotz des Terrors hat auch das Gefühl der Sicherheit zugenommen. Befürchteten noch letztes Jahr 79 Prozent, ein Krieg könnte in den nächsten drei Jahren ausbrechen, so sind es jetzt nur noch 34 Prozent. Für den gleichen Zeitraum rechneten 2002 ganze 21 Prozent mit Fortschritten bei der Friedenssuche. Heute sind es mehr als doppelt so viele, nämlich 43 Prozent.

Ursache für diesen neuen Optimismus sind zwei Personen: Mahmud Abbas und Ariel Scharon. Trotz des Anschlags von Jerusalem glaubt die israelische Führung nach wie vor, dass Abbas und sein Sicherheitsminister Mohammed Dahlan „irgendwann einmal beginnen werden, den Terror zu bekämpfen.“ Den von Abbas angestrebten Waffenstillstand mit Hamas jedoch hält man für zwecklos. Sinn mache allein die aktive Terrorbekämpfung.

Ähnlich optimistisch waren auch die Teilnehmer eines internationalen Symposiums von ehemaligen Generälen und Geheimdienstbossen aus Ägypten, Jordanien, Israel und den palästinensischen Gebieten. Sie hatten gerade dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav ihre Ideen und Konzepte vorgetragen, als unweit in Jerusalem das schwere Attentat geschah. Trotzdem: Ob nun der ehemalige Berater des ägyptischen Außenministers, Botschafter Adel al Adawi, der früherere jordanische Luftwaffenkommandant General Ihsan Shurdom oder der hochgestellte palästinensische Politiker Sama Khouri: Sie alle zeigten sich, wie auch ihre israelischen Gastgeber, überzeugt, dass Abbas und Scharon gewillt sind, „die sich durch die Road Map ergebende einmalige Chance zum Frieden wirklich zu nutzen".

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