FILM IM FILM„Zerrissene Umarmungen“ von Pedro Almodóvar : Die Lügen der Liebe

Christina TilmannD

Sie sieht aus wie Audrey Hepburn, Pferdeschwanz und Rehblick, in „Roman Holiday“, und trinkt passenderweise aus einer Colosseum-Tasse. Oder wie Marilyn Monroe, mit platinblonder Locken-Perücke. Schon im letzten Film von Pedro Almodóvar, „Volver“, hatte sie definitiv etwas von Sophia Loren, als kochende Mama im Schnellrestaurant. Und sie stürzt die Treppe herunter, wie Vivian Leigh in „Vom Winde verweht“. Penélope Cruz ist ein Kinowandelwunder, die perfekte Projektionsfläche für jeden Regisseur, und erst recht für ihren Lieblingsregisseur Pedro Almodóvar, der sie mit „Alles für meine Mutter“ einst fürs Weltkino entdeckte, als schüchterne, schwangere Nonne, und dem sie seitdem treu geblieben ist, im inzwischen vierten gemeinsamen Film.

Eine Darstellerinnen-Hommage, die gleichzeitig eine Film-Hommage ist, wie passend für ein Werk, das schon so etwas wie ein Glaubensbekenntnis ist, eine Liebeserklärung an die eigene Profession, und auch ein erstes, selbstreferenzielles Alterswerk. Es ist das alte Film-im-Film-Spiel, das hier gespielt wird, der Regisseur Mateo Blanco, der einen Financier für seinen Film „Frauen und Koffer“ sucht und gleich noch eine Hauptdarstellerin dazubekommt, in Person von Lena, der Geliebten des Finanztycoons. Man sieht sich, man liebt sich, der Mäzen wird eifersüchtig, das Paar flieht nach Lanzarote, der Film wird im Schnitt verstümmelt, die Hauptdarstellerin Lena stirbt bei einem Unfall. Und der Regisseur, der sich inzwischen Harry Caine nennt, sitzt Jahre später erblindet und hilflos in seiner Wohnung, schlägt sich als Drehbuchautor durch und begegnet unversehens der Vergangenheit wieder, einer Vergangenheit voller Lügen, Intrigen und falscher Erinnerungen, und das Medium, das die Wahrheit zutage fördert, ist der Film.

„Filme muss man unbedingt zu Ende führen, auch blind“, damit gehört Mateo der letzte Satz. Der Film, den er schließlich zu Ende geführt hat, in einer Art blindem Director’s Cut aus der Erinnerung, erinnert deutlich an Almodóvars frühes Meisterwerk „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“. Der Regisseur ist, spätestens seit „Volver“, weniger schrill geworden, aber nicht weniger melodramatisch, und seine Liebeserklärung an die Macht des Kinos heilt am Ende alles, was zerrissen war. Ein Meisterwerk. Christina Tilmann

„Zerrissene Umarmungen“, ESP 2009, 128 Min., R: Pedro Almodóvar, D: Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez

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