Zeitung Heute : Filmfirma gibt Standort auf - Kopierwerk und Studios schließen

Cay Dobberke

Die Berliner Medienwirtschaft wird um einen wichtigen Standort ärmer: Das Münchner Filmtechnik-Unternehmen Arnold & Richter (Arri) - über die Branche hinaus als Hersteller der berühmten "Arriflex"-Kameras bekannt - will sein Bearbeitungsstudio und Kopierwerk Arri-Contrast an der Charlottenburger Chaussee in Ruhleben schließen. Das kündigte gestern der aus München angereiste Geschäftsführer Franz Kraus vom Tochterunternehmen Arri-TV bei einer Betriebsversammlung an. In München ist das Mutterhaus von Arri-TV, die Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. KG, beheimatet. Die Gesellschafter würden die Liquidation voraussichtlich in der nächsten Woche beschließen. Wann die rund 85 Beschäftigten ihre Arbeit verlieren sollen, stehe nicht fest. Bei Arri-Contrast wurden zuletzt die Kinofilme "Stars Wars - Episode I" und "Der 13. Krieger" kopiert; für TV-Sender werden Serien bearbeitet. Zum Betrieb gehören auch Synchronstudios.

Kraus sagte, das Filmkopieren werde bald kein Massengeschäft mehr sein. "Das Digitalkino steht klar an der Wand." Arri wolle keine Geschäftsbereiche aufgeben, sich aber auf die Kapazitäten in München beschränken. Als weiteres Argument nannte Kraus, dass der Berliner Betrieb "gerade mal überlebensfähig" sei. Damit fehle die Basis für hohe Investitionen, die sonst nötig wären. Allein der Kauf des 1,3-Hektar-Areals, das dem Bund gehört und seit längerem veräußert werden soll, würde fünf bis sechs Millionen Mark kosten. Der Betriebsrat argwöhnt hingegen, dass Arri-Contrast ein "Bauernopfer" sei. Man verweist darauf, dass die Mutterfirma erst Ende August eine "strategische Kooperation" mit der Cinemedia Film AG / Geyer Werke vereinbarte. Diese betreibt auch Kopierwerke. "Da soll Konkurrenz ausgeräumt werden", mutmaßte der Betriebsratsvorsitzende Maurice-Albert Leist: "Der Laden boomt".

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