FILMINDUSTRIE : Geld, Aberglaube und VHS-Kassetten

In Lagos, der größten Stadt Nigerias, leben 10,4 Millionen Menschen. Das Verkehrschaos in der Metropole am Golf von Guinea ist legendär. Hier ist auch der Großteil der nigerianischen Filmindustrie beheimatet, die nach Hollywood und Bollywood die drittgrößte Traumfabrik der Welt ist.

KLEINES BUDGET

Bis zu 2000 Filme pro Jahr werden in Lagos produziert – meist mit einem vergleichsweise kleinen Budget von rund 10 000 Euro. Es gibt kaum Studios, gedreht wird in Privathäusern und auf offener Straße. DVDs kosten ein bis zwei Euro, es kursieren unzählige Raubkopien im Internet. Ein Blockbuster kann sich bis zu 100 000 mal verkaufen.

GUTE IDEEN

Entstanden ist Nollywood Ende der 80er Jahre, als die Militärdiktatur das Fernsehprogramm beherrschte und gleichzeitig die Sehnsucht nach nigerianischen Eigenproduktionen größer wurde. Ein findiger Kleinunternehmer war damals auf vielen leeren VHS-Kassetten sitzen geblieben. Er vertraute sie einem Filmemacher zum Bespielen an, um sie so besser verkaufen zu können. So entstand der Film „Living in Bondage“, in dem ein Mann zu kultischen Menschenopfern gezwungen wird.

FREMDE WELTEN

Für europäische Zuschauer ist die Ästhetik der Filme gewöhnungsbedürftig: Laienschauspieler, schmutziges Geld, Korruption, Übersinnliches, lange Monologe, Zurschaustellung von Reichtum, blutige Beschneidungsszenen – der Mix wirkt mitunter wie eine regelrechte Karikatur nigerianischer Lebenswelten.

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