FILMKULISSENSCHAU„Thälmann, Muck & Co“ : In Goyas Atelier

Heidi Jäger

Das Tor zum Palast des Sultans funkelt verführerisch. Die mit Glassteinen besetzte Pforte, die dem „Kleinen Muck“ eine schillernde Welt eröffnete, ist eines der akribisch gefertigten Details, mit denen die Szenenbildner und Kunsthandwerker der DEFA einst zu begeistern wussten. Modelle, Requisiten und Filmtechnik wurden vom Archivstaub befreit und für die neue Ausstellung „Thälmann, Muck & Co“ im Potsdamer Filmmuseum aufpoliert.

Ein Vorsatz-Modell zu Kurt Maetzigs Film „Der Rat der Götter“ zeigt, wie die bayerischen Alpen nach Thüringen versetzt wurden. Ein passgenaues Bild des mit Schnee bedeckten Massivs wurde einfach vor die Berghütte gehalten und durch technische Raffinesse verblüffend echt in die Landschaft integriert. Aus Klein mach Groß hieß auch die Devise beim trickreichen Dreh für den Film „Die schwarze Galeere“. Die routinierte Babelsberger Filmcrew baute in einer riesigen Halle ein ebenso riesiges Wasserbassin und lieferte sich in ihrer „Bucht von Antwerpen“ mit den selbst gebauten Schiffen wilde Kämpfe. Die einen halben Meter hohe, abgetakelte „Andrea Doria“ mit ihren zehn Segeln erinnert an diese Seeschlacht am „gefluteten“ Set.

Von der Kunst der Babelsberger „Fälscher-Werkstatt“ zeugen die Bilder aus Konrad Wolfs großem „Goya“-Film: Das Filmporträt des spanischen Malers besticht durch das täuschend echte Atelier (Foto), das die Filmarchitektin Gisela Schultze 1971 nach dem Szenenbildentwurf Alfred Hirschmeiers modellierte. Ihre meisterliche Hand legte sie auch an das traumhaft-entrückte Modell von „Orpheus in der Unterwelt“. Heidi Jäger

Filmmuseum, bis 21.6.2009, tägl. 10-18 Uhr, 3,50/2,50 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar