Zeitung Heute : Filmpreis für Berliner Forscher

Thomas Wiegand und sein Team erhalten den „Emmy“ für Technik zur Videokompression

Patricia Pätzold
271487_0_b72aa585.jpg
Gewinner. Thomas Wiegand mit dem Technik-„Emmy“. Foto: privat

„And the winner is …“ diese bekannte und regelmäßig mit großer Spannung erwartete Ankündigung erschallte nicht nur im vergangenen August in Hollywoods Renaissance-Hotel, sondern wenige Monate später ein zweites Mal in Las Vegas. Und beide Male endete sie mit dem Namen eines Berliner Wissenschaftlers: Thomas Wiegand. Zweimal stieg der Leiter des TU-Fachgebietes für Bildkommunikation und gleichzeitig Abteilungsleiter im Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin auf die Bühne, um den bedeutendsten US-Fernsehpreis „Emmy“ in der Kategorie Technik entgegenzunehmen. Die Jurys der „Academy of Television Arts and Sciences“ hatten dem Joint-Video-Team, dem Thomas Wiegand als einer von drei Leitern angehört, sowohl den Prime-Time- als auch den Technology-&-Engineering-„Emmy“ für die Entwicklung eines neuen Übertragungsverfahrens für Videos zuerkannt.

Seit rund 60 Jahren verleiht die Akademie diesen Preis für bahnbrechende Erfindungen in der Fernsehtechnik. Zusammen mit einer Reihe anderer Firmen wie den Software- und Mobilfunkunternehmen Microsoft, Apple und Motorola hatten die Wissenschaftler um Wiegand das Übertragungsverfahren namens „H.264“ entwickelt und als Standard für Multimediatechnik etabliert.

Die doppelte Auszeichnung – einmalig in der Geschichte der Technik-Emmys – zeigt, wie wichtig die Erfindung für die Film- und Fernsehbranche ist. „Unser Videokodierstandard erhöht die Geschwindigkeit der Bildübertragung um das Zwei- bis Dreifache und ermöglicht so ruckelfreie und brillante Bilder im Digital-Fernsehen, im Internet oder auf dem Handy“, sagt Thomas Wiegand. Das Prinzip des Verfahrens lässt sich leicht nachvollziehen: „Von jedem Bild werden nur die Teile gespeichert und übertragen, die sich von Bild zu Bild verändern. Alle gleich bleibenden Bildinhalte – wie der grüne Rasen in einer Fußballsequenz – können aus vorhergehenden Bildern quasi vorhergesagt werden“, erläutert der Wissenschaftler.

Im Detail jedoch ist die Technik ziemlich kompliziert. Mehrere Jahre lang haben Wiegand und seine Mitarbeiter an den einzelnen Teilschritten gearbeitet, haben die dahinter steckende Software wieder und wieder umgeschrieben, um die Datenverarbeitung zu vereinfachen.

Die Mühe hat sich gelohnt: Gegenüber vorherigen Verfahren ist die Menge der Daten, die übertragen werden muss, erheblich kleiner geworden. Der Standard H.264, auch bekannt als MPEG4-AVC, ermöglichte erst den Erfolg neuer Video-Anwendungen wie HDTV, Blu-ray Disc, Internet- und Mobile-TV, Video-iPods und iPhones. Denn damit können bewegte Bilder deutlich schneller und in besserer Qualität auf die einzelnen Endgeräte übertragen werden.

Insbesondere die drahtlose Übertragung werde von dem Verfahren profitieren, sagt Wiegand. „Selbst die modernen UMTS-Netzwerke im Mobilfunk schaffen derzeit höchstens eine Transferrate von 7,2 Megabit pro Sekunde – für Videosequenzen ist das noch zu wenig.“ So könnte die neue Technik, die bereits die Heimelektronik maßgeblich vorangebracht hat, bald auch Handys zu vollwertigen Fernsehgeräten machen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar