Zeitung Heute : Filmreifer Lebenslauf

Armin Mueller-Stahl, ein deutscher Hollywood-Star

Hermann Rudolph

DIE PREISTRÄGER

Ein großer Schauspieler. Damit ist alles gesagt - aber keineswegs genug. Denn Armin Mueller-Stahls Lebenslauf könnte selbst einen Filmstoff abgeben. Er handelte von den vielen Welten, die einem Menschen im vergangenen Jahrhundert zustoßen konnten. Mueller-Stahl war einer der wichtigsten Darsteller in den Filmen und Fernsehserien, mit denen die DDR seit den sechziger Jahren ein eigenes Profil zu gewinnen suchte. Er wurde nach seiner Übersiedlung in der Folge der Biermann-Affäre ein erfolgreicher Filmschauspieler im Westen. Und er schaffte schließlich den Sprung nach Hollywood. Vermutlich ist er der einzige Welt-Star des Kinos, der, wie es sich gehört, in den Pacific Palisades lebt, aber Träger des DDR-Nationalpreises ist und weiß, wo Köpenick liegt. Da hat er sein altes Ost-Berliner Haus, Wasserlage.

Dabei ist die ostpreußische Kindheit des 1931 in Tilsit Geborenen noch gar nicht gerechnet. Auch nicht das Geigenstudium bis zur Konzertreife. Es sind ja auch seine Gestalten, die Armin Mueller-Stahls Ruf begründen, ihre Identifikation durch Nuancen, die kunstvolle Behutsamkeit seines Spiels - den „Minimalisten unter den Filmstars“ hat diese Zeitung ihn einmal genannt. Sie gehören zu der Galerie der Figuren, die die Welt der grossen Filme bevölkern, und sind doch Verwandte der Rollen, die Müller-Stahl in der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz oder in den DDR-Fersehproduktionen spielte. Das also gibt es: Immer wieder nahe dran am Oscar, Partner von Jack Lemmon und Walter Matthau, und zugleich Zeuge der deutsch-deutschen Nachkriegswelt, der Sozialisierung im Ost-Berliner Kulturmilieu – Volksbühne und DEFA, das Sich-Reiben an der DDR, die Entfremdung, schließlich der Bruch, durch die Biermann-Affäre nur offenbar gemacht.

Armin Mueller-Stahl nennt sich selbst gerne einen „Gaukler“. Man darf das ein bisschen für eine etwas kokette Selbststilisierung halten, erst recht seit der erfolgreichen Fernsehserie über „Die Manns“ vor zwei Jahren, nach der der große Schriftsteller für die Öffentlichkeit das Gesicht von Armin Mueller-Stahl trägt. Eine so simplizistischer Mensch ist einer nicht, der seine Kaltstellung nach der Unterzeichnung der Biermann-Resolution mit dem Schreiben eines Romans verarbeitet - „Verordneter Sonntag“, 1981 im Siedler-Verlag erschienen. Und der es als seinen Stolz bezeichnet, dass er in Amerika den guten Deutschen verkörpern durfte und von der Jüdischen Fakultät der Universität Chicago zum Ehrendoktor promoviert worden ist.

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