Filmrezension : Götterhämmerung

Kenneth Branaghs Verfilmung der Comicreihe „Thor“, die an diesem Donnerstag in die Kinos kommt, entbehrt zwar jeglicher Plausibilität, macht aber einen Riesenspaß.

Auf die Erde gefallen: Chris Hemsworth als Donnergott Thor.
Auf die Erde gefallen: Chris Hemsworth als Donnergott Thor.Foto: Zade Rosenthal

Zu den kniffligsten Aufgaben für einen Superhelden-Film gehört die Genese des Protagonisten. Schließlich soll die Handlung, die sich ja meist in einem an die reale Welt angelehnten Szenario zuträgt, einen Rest von Glaubwürdigkeit besitzen. Bei den bisherigen Comicverfilmungen des Marvel- Verlags wurde dies zufriedenstellend gelöst: ein schüchterner Teenager, der durch den Biss einer mutierten Spinne zum furchtlosen Wandkletterer wird? Warum nicht. Ein versoffener Milliardär, der sich eine fliegende Hightech-Rüstung bastelt? Ist gekauft. Ein Wissenschaftler, der durch Gammastrahlen zum grünen Wüterich wird? Oookay. Aber nun: ein Gott aus der nordischen Mythologie, der auf der Erde des frühen 21. Jahrhunderts seinen Hammer schwingt? Das ist starker Tobak.

Wenn man sich dennoch widerstandslos in den etwas wirren Plot von „Thor“ hineinziehen lässt, sagt das einiges über die Qualitäten des Films. Kenneth Branagh ist der richtige Regisseur für diesen Job, hat er doch mit seinen Shakespeare-Adaptionen schon ein gutes Gespür für archetypische, nicht unbedingt realistische Dramen bewiesen.

Obwohl Lieblingssohn, fällt Thor (Chris Hemsworth) bei seinem Vater Odin (Antony Hopkins) in Ungnade, als er einen Krieg mit den bösen Frostriesen anzettelt. Zur Strafe wird er seiner göttlichen Kräfte und seines Hammers beraubt und auf die Erde verbannt, wo er mit einer hübschen Astrophysikerin (Natalie Portman) und ihrem Gefolge sowie den Agenten der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. zu tun hat. In Thors Abwesenheit reißt sein Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) die Macht in der Götterstadt Asgard an sich und schmiedet Pläne, um den Nebenbuhler endgültig loszuwerden.

Das alles entbehrt zwar jeglicher Plausibilität, macht aber einen Riesenspaß. Der Australier Hemsworth ist eine gute – und extrem gut gebaute – Wahl als naiver Donnergott, der auf Erden wie ein grobmotorischer Grunge-Rocker herumstapft. Hopkins ist der ideale Göttervater, Portman ein glaubwürdiges Love Interest und Hiddleston genau die Sorte verführerischer Bösewicht, auf dessen Wiederauftauchen im zweiten Teil man sich jetzt schon freut. Einziger gravierender Minuspunkt: die vermaledeite 3-D-Technik, die diesem visuell sehr schönen Film wegen ein paar läppischer Effekte in vielen Szenen die nötige Helligkeit und Brillanz raubt. Klasse Popcorn-Kino.

USA 2011, 115 Min., R: Kenneth Branagh, D: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Anthony Hopkins, Tom Hiddleston, Stellan Skarsgård

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