FINANZ-KÖPFE : Franzosen dominieren

DIE KÜNFTIGE CHEFIN



Die französische Finanzministerin Christine Lagarde wäre nach zehn Männern die erste Frau an der IWF- Spitze. Frankreich würde damit zum fünften Mal den Chef stellen. An ihrer Qualifikation zweifelt niemand. Derzeit tourt die geschiedene Mutter von zwei Söhnen durch Schwellenländer, um sich auch dort den nötigen Rückhalt zu holen. Einziger grauer Fleck auf Lagardes Bewerbung sind Spekulationen über ein Ermittlungsverfahren. Es geht um Steuergelder, die sie dem Geschäftsmann Bernard Tapie zugeschoben haben soll. Sie bestreitet die Vorwürfe.

DER GESTOLPERTE CHEF

Dominique Strauss-Kahn, dessen Vertrag noch bis Oktober 2012 gelaufen wäre, war als Chef des IWF fachlich unumstritten. Der 62-jährige Franzose hat den Fonds mit Geschick, Überzeugungskraft und Charme aus der Krise geführt. „Herr Strauss-Kahn hat in einer ganz schwierigen Phase den IWF exzellent geleitet und Führung demonstriert“, lobt nicht nur Vize John Lipsky. Allerdings wäre der Franzose auch beim IWF fast über eine Frauen-Affäre gestolpert.

DER KRITIKER

Nach Ansicht von Joseph Stiglitz ist der IWF für die Weltwirtschaft und seine Mitgliedsländer keine Hilfe, sondern ein Hindernis auf dem Weg zu mehr Wohlstand und Entwicklung. Der renommierte 68-jährige US-Wirtschaftswissenschaftler, in den neunziger Jahren Chef- Ökonom der Weltbank, wirft dem Fonds vor, weltweit die Kluft zwischen Arm und Reich sogar noch zu vergrößern. Er fordert eine Rückbesinnung des IWF auf seine eigentliche Aufgabe und die Abschaffung der harten sozialen und politischen Kreditauflagen.

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