Finanzierung der Pflege : Die Lücke schließen

Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur einen Teil der Kosten. Wann ist eine private Pflege-Zusatzversicherung sinnvoll?

Gute Pflege will gut finanziert sein.
Gute Pflege will gut finanziert sein.Foto: Imago

Pflegebedürftigkeit kann teuer sein. Ein Beispiel: Im Schnitt gut 1800 Euro muss man monatlich für einen Platz in einem Berliner Pflegeheim dazuzahlen. Die 1995 eingeführte gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt davon nur einen Teil. Das Gleiche gilt für die private Pflegepflichtversicherung, die die gleichen Leistungen für privat Krankenversicherte erbringt. Deshalb schließen immer mehr Menschen eine private Pflegezusatzversicherung ab. 2018 gab es bereits knapp 3,7 Millionen solcher Verträge, teilt der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) mit.
Entscheidet man sich für einen solchen Vertrag, sollte man die Beiträge ohne Unterbrechung zahlen können, da sonst der Versicherungsschutz verloren geht. Das gilt in den meisten Fällen auch während der eingetretenen Pflegebedürftigkeit, denn die Beiträge müssen dann weitergezahlt werden. Einige Versicherer bieten (meist teurere) Tarife an, die bei Pflegebedürftigkeit die Beitragspflicht aussetzen.
Im Laufe der Zeit wachsen die Beiträge in der Regel, etwa um Kostensteigerungen auszugleichen. Manche Tarife enthalten automatische Beitragssteigerungen, bei anderen kann der Versicherte selbst die Beiträge – und damit die späteren Leistungen – erhöhen. Nach Angaben des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen (PKV) können Versicherte aber Beitragserhöhungen auch widersprechen.
Bei den Zusatzversicherungen werden zwei Hauptmodelle unterschieden. Das eine ist die Pflegekostenversicherung, die kein Bargeld ausschüttet, sondern einen Teil der tatsächlichen Betreuungskosten bezahlt und den Betrag der gesetzlichen Pflegeversicherung damit je nach gewähltem Versicherungstarif aufstockt. Je weniger Leistungen des ambulanten Pflegedienstes oder Pflegeheims der Versicherte in Anspruch nimmt, desto geringer fallen also auch die Zuschüsse aus.

Die zwei Formen der Pflegezusatzversicherung

Die andere und nach Angaben des PKV am häufigsten gewählte Form ist die Pflegetagegeldversicherung. Hierbei zahlt die Versicherung ein Tagegeld, das der Pflegebedürftige frei verwenden kann, ohne die Kosten nachweisen zu müssen. Er kann sie Profis, aber auch pflegenden Angehörigen zur Verfügung stellen.
Die Tarife der einzelnen Anbieter können stark schwanken und werden von vielen Faktoren beeinflusst. Die Höhe des Tagegeldes hängt zum einen vom gewählten Tarif und zum anderen vom Pflegegrad ab. Bei Vertragsabschluss spielen auch Alter und Gesundheit eine Rolle. Viele Versicherungen haben in den letzten Jahren ihre Beiträge zum Teil deutlich erhöht. Hintergrund ist, dass viele Versicherer das ausgezahlte Tagegeld an den Pflegegrad koppeln. Da durch die Pflegereform die gesetzliche Pflegeversicherung Leistungen auch bereits bei geringeren Pflegegraden zahlt und mehr Menschen Leistungen erhalten, müssen auch die Privaten mehr ausgeben. Entsprechend steigen die Beiträge.
Die Stiftung Warentest rät trotzdem davon ab, bestehende Policen wegen einer solchen Preiserhöhung zu kündigen. Denn dann seien zum einen die bisher eingezahlten Beiträge verloren und zum anderen drohe im Fall einer Pflegebedürftigkeit eine Versorgungslücke. Bei einer anderen Versicherung müsste man für den gleichen Schutz vermutlich noch höhere Beiträge zahlen, so die Warentester in einer umfassenden Untersuchung von Pflegezusatzversicherungen im Jahr 2017. Einige Verträge enthalten zudem eine Wartezeit von einigen Jahren, bevor die Leistungen in Anspruch genommen werden können.
Eine private Pflegezusatzversicherung kann prinzipiell jeder abschließen – wenn das Ergebnis der Gesundheitsprüfung, die Versicherer verlangen können, ihn nicht ausschließt. Die Unternehmen können allerdings auch Versicherte mit gesundheitlichen Problemen akzeptieren, dafür dann aber Risikozuschläge kassieren. Es lohnt sich also ein detaillierter Vergleich der Leistungen mehrerer Versicherungen, bevor man sich für eine entscheidet. Dazu zählt nach Angaben von Verbraucherschützern auch, Probeanträge bei verschiedenen Anbietern zu stellen.

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Schließlich gibt es noch eine seltenere dritte Form der privaten Zusatzversicherung: die Pflegerente. Diese Form wird meist als Zusatzversicherung zu bestehenden Renten- oder Lebensversicherungen angeboten. Wenn der Versicherte pflegebedürftig wird, zahlt der Versicherer einen fest vereinbarten Rentenbetrag aus, unabhängig von den tatsächlichen Pflegekosten. Dann endet auch die Beitragspflicht.
Seit 2013 gibt es die Möglichkeit, staatliche Zuschüsse zu einer Pflegetagegeldversicherung in Anspruch zu nehmen, den sogenannten „Pflege-Bahr“, benannt nach dem damaligen FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr. Inzwischen wurden rund 878 000 Verträge abgeschlossen.

Staatlicher Zuschuss

Dabei bezuschusst der Staat einen Teil der Beiträge bisher mit fünf Euro monatlich. Der Versicherte muss mindestens weitere zehn Euro im Monat dazuzahlen. Die Verträge müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: So muss am Ende der Laufzeit eine Mindestauszahlsumme von 600 Euro im Monat für den Pflegegrad 5 stehen und die Versicherungen dürfen keinen Interessenten ablehnen, auch nicht aufgrund einer Gesundheitsprüfung.
Doch Verbraucherschützer kritisieren, dass der Pflege-Bahr schlechtere Tarife biete als die nicht geförderten privaten Pflegezusatzversicherungen. Wer einen Pflege-Bahr-Vertrag abschließe, der könne nicht erwarten, dass die Versorgungslücke zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten ausreichend geschlossen werde, lautet das Resümee der Stiftung Warentest, die daher vom Pflege-Bahr abrät.
Und dann gibt es noch die Kombitarife aus nicht geförderter und staatlich geförderter Zusatzversicherung. Diese Angebote schnitten im Vergleich am besten ab, sagt die Stiftung Warentest. Allerdings kommt hier auch wieder die Hürde einer vorherigen Gesundheitsprüfung zum Tragen.

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