Finanzkrise : Welche Geldanlagen sind noch sicher?

Vom Investmentfonds bis zum Gold: Ein Überblick von unserem Finanzexperten Daniel Rhee-Piening.

Daniel Rhee-Piening

IMMOBILIEN

Als Anlageform sind Immobilien nur unter bestimmten Umständen sicher. Das zeigt nicht nur die jüngste Immobilienkrise in den USA, dies haben auch in den vergangenen Jahren Anleger in vermeintlichen Boom-Regionen in Ostdeutschland zu spüren bekommen. Der Run auf Wohnungen und Büros war nach der Wiedervereinigung weit geringer, als erwartet. Viele, die hier ihr Geld investierten, haben ein Vermögen verloren.

Dass Immobilien dennoch als gute Anlageform gelten, lag zuletzt besonders an den in vielen Ländern kontinuierlich steigenden Immobilienpreisen. Wer jetzt hier investieren will, muss sich vor allem über die Finanzierung Gedanken machen: Sollte die jetzige Krise den Euro-Raum in eine Deflation treiben, wird es schwierig, die aufgenommenen Schulden zu begleichen.

SPAREINLAGEN

Spareinlagen sind gleich doppelt gesichert – durch die Einlagensicherung der Banken und seit dem Wochenende außerdem durch die Garantie der Bundesregierung für alle Spareinlagen in Deutschland. Die gesetzliche Einlagensicherung deckt 90 Prozent des Sparbetrags bis maximal 20 000 Euro. Zudem haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken zugesagt, sich untereinander zu schützen.

SPARBRIEF

Beim Sparbrief leiht der Zeichner – als solcher wird derAnleger bezeichnet – der emittierenden Bank Geld. Auch der Sparbrief unterliegt der Einlagensicherung – die für einen Betrag bis maximal 20 000 Euro gilt. Je nach Ausgestaltung des Sparbriefes bringt er derzeit einen Zinsertrag von 3,5 bis 5,5 Prozent.

BUNDESWERTPAPIERE

Bundeswertpapiere sind eine der sichersten Anlageformen. Der Bund gilt als sicherer Schuldner, da er mit seinen Steuereinnahmen für die Bundesschatzbriefe, Bundesobligationen und Finanzierungsschätze haftet. Weil der Anleger hier ein geringes Risiko eingeht, sind in der Regel die Zinsen gering. Doch seien die Zinserträge der verschiedenen Angebote momentan viel attraktiver als früher, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Grob vereinfacht kann man sein Geld in Bundesschätzchen mit verschiedenen Sparzielen und Laufzeiten anlegen. Auf bis zu 30 Jahre sind die Bundesanleihen konzipiert. Mittlere Anlagehorizonte von sechs bis sieben Jahren haben die Bundesschatzbriefe. Sie können nach einem Jahr zurückgegeben und gegen besser verzinste ausgetauscht werden.

Attraktiv sind Schatzbriefe vom Typ B für Anleger, deren Sparerfreibetrag erschöpft ist und deren Steuersatz über 25 Prozent liegt. Sie können damit ihre Zinseinnahmen ins Jahr 2009 oder später verschieben. Dann gilt die Abgeltungsteuer, mit der gut verdienende Zinssparer günstiger als bisher fahren können.

Wer sich ein Schätzchen zulegen will, kann das entweder über die Bank oder direkt bei der Deutschen Finanzagentur in Frankfurt tun. Von Vorteil ist der Direktkauf. Dann fallen keine Depotkosten an, die Finanzagentur lagert die Papiere kostenlos.

GOLD

In Krisenzeiten gilt Gold als sichere Geldanlage. Das ist auch an dem aktuellen Preis zu erkennen. Derzeit kostet die Feinunze Gold (31 Gramm) mehr als 850 Dollar, Anfang September – bevor die Finanzkrise mit voller Wucht über die Weltwirtschaft hereinbrach – kostete die Feinunze 750 Dollar. Doch hat die Geldanlage Gold auch Nachteile: Es gibt keine Rendite und die Lagerung kostet Geld. Deutliche Preissteigerungen beim Gold erwarten Marktbeobachter nicht mehr. Vielmehr drohen Kursverluste, denn Spekulanten und Investoren mit akutem Kapitalbedarf verkaufen derzeit ihr Gold – und das drückt auf Dauer den Preis.

PFANDBRIEFE

Bei der Anleiheform der Pfandbriefe werden Darlehen auf Hypotheken-, Schiffs- oder Staatskredite aufgenommen; gesetzlich festgeschrieben ist, dass sie im Vergleich zu anderen Anleihen mit deutlich höheren Sicherheiten unterlegt sein müssen. Pfandbriefe galten lange als sicherste Anlageform, auch weil sie doppelt gesichert sind: Durch die emittierende Bank, und falls diese ausfällt, durch den Treuhänder, dem die für die Pfandbriefe reservierten Vermögenswerte übertragen werden. Der Fastzusammenbruch der Hypo Real Estate hat aber am Image dieser Papiere gekratzt.

INVESTMENTFONDS

Allgemein gelten Investmentfonds als sichere Anlageform. Eine KapitalanlageGesellschaft kauft hier mit dem Geld vieler Anleger Aktien, verzinsliche Wertpapiere oder Immobilien. Dabei wird das Geld nach dem Grundsatz der Risikostreuung investiert und breit gestreut. Die Anteile des jeweiligen Anlegers gelten als Sondervermögen. Selbst wenn die Investmentfirma oder die Bank, die das Fondsdepot verwaltet, pleitegehen sollte, bleibt so das Vermögen des einzelnen Kunden vor dem Zugriff Dritter geschützt. Investmentfonds gelten deshalb als konkurssicher. Allerdings unterliegen Investmentfonds großen Wertschwankungen, da sie nicht vor einem Einbruch der Aktienkurse geschützt sind. Brechen also ganze Märkte zusammen, ist auch der Investmentfonds nicht mehr sicher.

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