Zeitung Heute : Finanzminister bin, wird es Solange ich Rettungsschirme geben. keine Verlängerung der

Finanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010.

Ab dem 1. März 2012 wird wieder ein Wort verschwinden. Nicht Schlag Mitternacht, aber peu à peu. Das Wort Drachme braucht dann kein Mensch mehr, ab diesem Termin wechselt die Bank of Greece endgültig keine Drachmen mehr in Euro um. War ohnehin nichts mehr wert, die Drachme. Und bei diesen ganzen nun schon Jahre währenden Reden über die Finanzkrise, ist es auch nett, wenn mal ein paar Worte wegfallen. Es sind einfach zu viele Worte hinzugekommen, merkwürdige Worte. „Finanzkrise“ zum Beispiel, das war schon 2008 für die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres. So wie es für das ablaufende Jahr „Stresstest“ ist. Man weiß das ja, Stresstest, die Überprüfung der Belastbarkeit von Banken etwa. Bei dem Erfolg der stressgetesteten Banken kann man festhalten, dass das Wort gewiss ein tolles Wort ist, aber inhaltlich doch weniger aussagekräftig als zunächst angenommen.

Was im Übrigen auf die meisten Worte der Finanzkrise zutrifft. Man hat den Eindruck, dass es hilflose Worte sind, gesucht und gefunden, um das Unerklärliche bildlich zu machen, so wie der DAX meistens kurz vor der Tagesschau in den Börsennachrichten erst heftige Turbulenzen durchleidet und schließlich in den Keller rutscht. Warum die Finanzkrise so seltsam verschwurbelt redet, ist nicht ganz klar. Soziologisch könnte man es eine Art Reduktion der Komplexität nennen, ein wenig darunter angesiedelt könnte man auch eine Verschleierung der eigenen Unkenntnis vermuten. Laut Regierung soll zum Beispiel „der ESM die Stabilität der Euro-Zone sichern und (...) ist als Ablösung der vorläufigen Maßnahmen des Euro- Rettungsschirms unter Beibehaltung der EFSF geplant“. Wenn man das übersetzt, ist klar, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus als Ablösung der vorläufigen Maßnahmen des Euro-Rettungsschirms unter Beibehaltung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität geplant ist. Ich schlage Finanzstabilisierungsfazilität schon heute zum Wort des Jahres 2012 vor. Weil, wenn das nicht hilft, was denn dann?

Rettungsschirme? Die laufen aus, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, als er noch anders dachte als ein paar Tage später. Auslaufende Rettungsschirme sind aber auch wirklich nichts Gutes, und wenn man nach ihnen fahndet, landet man sofort beim „Knirps Fiber T 3, Regen neu erleben“. Was passiert dann, wenn so ein Knirps ausläuft? Ist das Geld dann weg? Oder bleibt es hier, wie Schäuble es früher einmal vorhatte? Man weiß es nicht, zu wenig ist über die Funktionsweise von Rettungsschirmen bekannt, ja, man weiß bis heute nicht einmal, wo ein Rettungsschirm vorkommt.

Beim Hebel weiß man das. Der Hebel ist ein mechanisches Kraftübertragungssystem. In der Finanzkrise gilt der Hebel als Nonplusultra, als Wunderwaffe, sozusagen eine „Bazooka“ und „Nuklearoption“, wie der US-Ökonom Nouriel Roubini die Sachen nennt. Was das nun im Einzelnen ist und vor allen Dingen warum, müssen interessierte Bürger bitte schön selbst nachschlagen. Alle Finessen sind ohnehin nicht zu erklären. Alternativ könnte man einen Banker fragen. Aber nur einen stressgetesteten. Helmut Schümann

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