Zeitung Heute : Finanzspritze für Weltenbummler

Studierende, Schüler und Praktikanten bekommen Auslands-Bafög. Dazuverdienen darf man auch – bis zu 400 Euro im Monat

Jürgen Freitag[dpa]
Die Höhe der Förderung richtet sich unter anderem nach dem Zielland.Foto: dpa-tmn
Die Höhe der Förderung richtet sich unter anderem nach dem Zielland.Foto: dpa-tmnFoto: dpa-tmn

Studiengebühren, Reisekosten, Lebensunterhalt: Ein Semester in den USA, Großbritannien oder einem anderen verlockenden Land kommt Studenten teuer zu stehen. Doch der Staat fördert solche Aufenthalte mit dem Auslands-Bafög. „Einen Antrag zu stellen, lohnt sich“, sagt Elisabeth Diederich vom Studierendenwerk Hamburg. Denn im Ausland gelten höhere Bedarfssätze. Selbst wer im Inland wegen des Elterneinkommens leer ausgeht, könnte jenseits der deutschen Grenzen gefördert werden.

Die Unterstützung erhalten nicht nur Studenten, sondern zum Beispiel auch Schüler, die für ein Halbjahr an eine ausländische High School gehen, oder Praktikanten, die mindestens zwölf Wochen im Ausland arbeiten. Für Studenten gelte in der Regel eine Mindestdauer von sechs Monaten oder einem Semester als Förderkriterium, erklärt Diederich. Ansprechpartner sind die Studentenwerke. Dabei ist jedem Land ein Amt für Ausbildungsförderung zugeordnet. Wer zum Beispiel nach Spanien will, wendet sich an das Studentenwerk Heidelberg. Die Mitarbeiter des Studentenwerks Chemnitz-Zwickau helfen bei allen Fragen zu Russland, und für China ist das Studentenwerk Oldenburg zuständig.

Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben 2008 rund 103 000 Deutsche im Ausland studiert. Besonders beliebt ist den Angaben zufolge Österreich. Mehr als 20 000 Studenten zieht es jedes Jahr für ein Semester dorthin. „Das Land hat mit mehr Studienplätzen geworben“, sagt Udo Kleinegees vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden. Das zahle sich aus. „Die Beliebtheit hängt aber sicher auch mit der Sprache zusammen.“ Auf Platz zwei folgen die Niederlande, dann Großbritannien und die Schweiz. Außerhalb Europas studieren Deutsche am liebsten in den USA.

Die Höchstförderung für ein Semester im Ausland hängt vom Reiseziel ab. Denn zusätzlich zu einem Sockelbetrag von maximal 732 Euro im Monat werden außerhalb der EU Zuschläge für Lebenshaltungskosten gewährt. Diese fallen je nach Land unterschiedlich aus, erläutert Stephanie Schneider vom Bundesbildungsministerium in Berlin. „Der Betrag schwankt zwischen null Euro in Mexiko und 209 Euro in Japan.“ Praktikanten erhalten keinen Zuschlag, sondern nur den Sockelbetrag; Schüler bekommen maximal 465 Euro. Das Bafög-Amt übernimmt auch Reisekosten: Außerhalb Europas werden für eine Hin- und Rückfahrt je 500 Euro gezahlt, in Europa je 250 Euro. Erstattet werden außerdem bis zu 4600 Euro für Studiengebühren.

Die Summe wird bei Studenten und Praktikanten wie bei der Inlandsförderung zur einen Hälfte als Zuschuss und zur anderen als zinsloses Darlehen gewährt. Eine Ausnahme ist der Zuschlag für die Studiengebühren. Dieser werde komplett als Zuschuss gewährt, erklärt Schneider. Die Förderung von Schülern müsse ebenfalls nicht zurückgezahlt werden. Ob das Geld im Ausland reicht, ist allerdings die Frage. Das Bundesbildungsministerium errechnet den Bafögsatz alle zwei Jahre neu. Ziel sei es, den Bedarf des „Durchschnittsstudenten“ zu decken, so Schneider: „Mit der jetzigen Summe kann man gut im Ausland leben.“

Das sieht nicht jeder so: Die Beiträge seien „eher niedrig“, findet Diederich. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass manche Universitäten in den USA Studiengebühren von 30 000 Euro und mehr verlangen.“ Es sei gut vorstellbar, dass die hohen Kosten im Ausland junge Menschen aus Arbeiterfamilien abschrecken, meint auch Udo Kleinegees: „Im Ausland gibt es einige Extrakosten.“ Kommen Studierende mit dem Geld nicht hin, dürfen sie immerhin kleinere Nebenjobs haben, ohne Einbußen bei der Förderung zu riskieren. Bis zu 4800 Euro könne man in einem Jahr hinzuverdienen, ohne dass es Abzüge beim BaföG gibt, erklärt Schneider – im Monat also 400 Euro.

Da das Bafög nicht rückwirkend ausgezahlt wird, sollte man den Antrag rechtzeitig stellen. Elisabeth Diederich rät, die Formulare spätestens sechs Monate im Voraus einzureichen. Steht der Auslandsaufenthalt kurz bevor, ist aber noch nichts verloren. Im schlimmsten Fall verzögert sich die erste Zahlung. Für den Antrag benötigt man die Formblätter Nummer eins, drei und sechs. Die Unterlagen gibt es bei den Studentenwerken und auf der Internetseite des Bundesbildungsministeriums. Jürgen Freitag, dpa

Unter http://dpaq.de/CvciB informiert das Bundesbildungsministerium über Auslands-Bafög. Infos des Studierendenwerks Hamburg stehen unter http://dpaq.de/ C8ex3. Eine Übersicht über die Studierendenwerke findet man hier: http://dpaq.de/ 1t7Cc. Eine gebührenfreie Bafög-Hotline ist montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr erreichbar: Tel. 0800/223 63 41.

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