Zeitung Heute : Finger weg bei fehlender Zulassung

Wer sich für den MBA-Abschluss interessiert, hat allein hierzulande die Wahl unter 150 verschiedenen Studiengängen

Silke Zorn

„Management-Abschluss für das internationale Parkett“ oder „Die optimale Vorbereitung auf eine weltweite Karriere“: Mit diesen und ähnlich verheißungsvollen Slogans werben immer mehr deutsche Schulen für den wohl bekanntesten aller Master-Studiengänge: den Master of Business Administration, kurz MBA. Ursprünglich ein amerikanischer Abschluss, kann der MBA seit 1998 auch von deutschen Hochschulen vergeben werden. Mehr als 150 verschiedene Studiengänge soll es hierzulande inzwischen geben und ihre Zahl wächst stetig. Wer sich für ein MBA-Aufbaustudium in Deutschland entscheidet, sollte allerdings genau prüfen: die eigenen Wünsche und Vorstellungen ebenso wie die zahlreichen Anbieter.

Ursprünglich als Aufbaustudium für Absolventen nicht-wirtschaftlicher Studiengänge gedacht, die ins Management streben, hat sich der MBA inzwischen auch zu einer Zusatzqualifikation für Wirtschaftswissenschaftler entwickelt. Besonders die Internationalität der Ausbildung reizt viele. Schätzungsweise ein Drittel aller MBA-Studenten sind Volks- und Betriebswirte, der Rest Juristen, Ingenieure, Mediziner, Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaftler. Sie sollen eine breit gefächerte, international geprägte Manager-Ausbildung erhalten, in der neben fachlichen Kompetenzen auch der Erwerb sozialer Fähigkeiten nicht zu kurz kommt. Neben Finanzwirtschaft, Rechnungswesen und Marketing stehen daher in aller Regel auch Fächer wie Strategisches Management, Entscheidungstheorie und interkulturelle Kommunikation auf dem Programm.

Das Angebot reicht vom klassischen Vollzeitstudium über den Teilzeitunterricht bis hin zum Fernstudium. Einige Anbieter spezialisieren sich auch auf bestimmte Branchen,beispielsweise die Finanzwirtschaft, oder setzen regionale Schwerpunkte, etwa den Wirtschaftsraum Osteuropa. Vollzeitprogramme dauern in der Regel ein bis zwei Jahre. Wer in Teilzeit studieren möchte, muss zwischen zwei und acht Jahren einplanen. Vor allem berufsbegleitende Modul- oder Teilzeitprogramme sind es, die sich derzeit wachsender Beliebtheit erfreuen, denn etwa drei Viertel aller MBA-Studenten drücken parallel zum Job die Schulbank, so sie nicht von ihren Arbeitgebern für die Dauer des finanziell aufwändigen Studiums freigestellt werden. Von 17 500 Euro in Deutschland bis zu 100 000 Dollar an den amerikanischen Top-Schulen muss man für ein zweijähriges Vollzeitprogramm einplanen, Teilzeit- oder Fernstudien sind günstiger.

Wer sich auf die Suche nach dem richtigen MBA-Programm begibt, stößt zwangsläufig auf die Hochschul-Rankings der großen amerikanischen Wirtschaftszeitschriften. Business Week, U.S. News, Financial Times und Co. kürten gerade wieder die weltweit besten Business Schools. Nichtamerikanische Universitäten finden sich in diesen Ranglisten nur vereinzelt wieder. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ein in Europa oder Asien erworbener MBA nichts wert ist. Die Standard-Rankings bewerten fast ausschließlich Vollzeitprogramme. Außerdem , so betonen Experten, sollte man auch ihre Funktion als Marketinginstrument der US- Hochschulen nicht übersehen.

Einen sehr wichtigen Anhaltspunkt für ein gutes MBA-Programm bietet seine internationale Akkreditierung. Mehrere Organisationen prüfen Business Schools weltweit auf Herz und Nieren und vergeben Gütesiegel (siehe Kasten).

Zu den geprüft und für gut befundenen Schulen zählen auch mehr und mehr deutsche Anbieter, zum Beispiel die ESCP-EAP Berlin. Die staatlich anerkannte Wirtschaftshochschule bietet mit Standorten in Paris, London, Madrid und Turin sogar länderübergreifende Studiengänge an. Wer sich in Richtung Osteuropa orientieren möchte, hat mit dem Zentraleuropäischen MBA des Berliner Anbieters eine interessante Alternative. Im niedersächsischen Hannover offeriert die GISMA Business School in Kooperation mit der amerikanischen Krannert School of Management sowohl Voll- als auch Teilzeitprogramme. Im diesjährigen Herbst-Ranking des Wall Street Journals belegte die traditionsreiche, an der Purdue University angesiedelte Krannert School den begehrten ersten Platz.

Ganz ohne Hilfe aus dem Ausland versucht sich die private Handelshochschule Leipzig (HHL) auf dem Markt zu behaupten – mit Erfolg. Das Handelsblatt lobte ihr Aufbaustudium jüngst als das beste, eigenständig entwickelte Vollzeitprogramm in Deutschland. Projekte in Kooperation mit zahlreichen Unternehmen bieten den Studenten bereits im zweiten Semester die Möglichkeit, sich in der Praxis zu erproben.

Neben Universitäten und Fachhochschulen bieten in Deutschland auch Privatschulen ohne Hochschulstatus MBA-Programme an. Auch sie arbeiten häufig mit ausländischen Universitäten zusammen. Doch sollte man sich beim zuständigen Kultusministerium sehr genau erkundigen, ob der dort verliehene Titel auch tatsächlich offiziell geführt werden darf.

Bleibt die Frage, was ein gutes MBA-Programm sonst noch ausmacht? Die Autorinnen Birgit Giesen und Eva Balster haben in ihrem Ratgeber „Das MBA-Studium“ (siehe Kasten) einige wichtige Kriterien für die Studienplatzsuche zusammengestellt: Neben einer Akkretierung biete die Zahl der bereits hervorgebrachten Ausbildungsjahrgänge einen guten Anhaltspunkt für Qualität. Eindeutige Zulassungskriterien sicherten ein möglichst hohes Ausbildungsniveau und ein umfassendes Curriculum mit Pflicht- und Wahlfächern eine breit gefächerte Ausbildung.

Auch die internationale Ausrichtung einer Schule spielt eine wichtige Rolle, denn gerade hierauf kommt es vielen MBA-Interessenten besonders an. Lehren ausländische Dozenten? Ist die Studentenschaft international? Sind Praktika oder Studienaufenthalte im Ausland Bestandteil der Ausbildung? Gute Kontakte der Schule zur Wirtschaft erleichtern ihren Absolventen schließlich die Jobsuche nach Abschluss des Studiums.

Ob ein MBA-Studium aber wirklich die sichere Eintrittskarte ins internationale Management darstellt, bezweifeln inzwischen viele. Detlev Kran, Geschäftsstellenleiter der Akkreditierungsorganisation FIBAA, sagt: „Es kommt immer auf die persönliche und berufliche Situation des einzelnen an.“ Zunächst müsse man sich im klaren darüber sein: Was will ich und kann ich diese Zusatzqualifikationen im Rahmen eines MBA-Studiums erlangen? Vor allem die berufsbegleitende Variante hält Kran für attraktiv. Hier könne wertvolles Management-Know-how gesammelt werden, ohne aus einem sicheren Job aussteigen zu müssen.

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