Zeitung Heute : Fische schauen, Fische essen

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Heike Jahberg

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Ich liebe Fische. Ich mag sie in allen Varianten - gebraten, frittiert, sogar gedünstet. Nur lebendige Fische kann ich nicht leiden. Schuld daran ist mein Bruder. Der musste seine Schulkarriere – nicht ganz freiwillig – vorübergehend auf einem Internat fortsetzen, und ich erbte seine Fische. Während meine Klassenkameradinnen „Bravo" kauften, kaufte ich Wasserflöhe, Würmer und Tetra-Min-Trockenfutter für die Zebrabuntbarsche. Eines ist seitdem klar: Ein Aquarium kommt mir nicht ins Haus.

Seit kurzem lebt unter unserem Dach jedoch eine wahre Fischfreundin. Als mein Bruder kürzlich zu Besuch war, nahm er seine dreijährige Nichte kurzerhand mit zu ihrem ersten Kinobesuch. Gezeigt wurde – was natürlich? – „Nemo". Seitdem herrscht bei uns der maritime Ausnahmezustand. Es begann mit den Spritzfiguren, die Linda und ihr Bruder Tom zu ihren Happy-Fast-Food-Meals kostenlos dazu bekamen. Dann entdeckte Linda bei Freunden Seifenspender mit Tinten- und Clownfischen. Nun waschen wir unsere Hände mit Aquariumsseife. Selbstverständlich spielen wir auch täglich das „Nemo"-Memory, morgens, mittags und abends.

Unsere Kleine heißt jetzt auch nicht mehr Linda, sondern „Dori", wie der freche Korallenfisch aus dem Film. Und zu Fasching wünscht sich „Dori-Linda“ von ihrer schneiderisch gänzlich unbegabten Mutter ein „Dori"-Kostüm. Damit ich auch ganz genau weiß, wie ich sie ausstaffieren soll („ganz blau, Mama, mit gelben Flossen und schwarzem Kopf"), schleppt sie mich zu Forschungszwecken gern ins Aquarium. Dort trifft sich die „Nemo"-Fangemeinde.

In drei Becken schwimmen Clownfische, und damit „Nemo"-Freunde nicht lange suchen müssen, stehen an der Kasse die richtigen Nummern. Vor den Bassins drücken sich kleine Mädchen die Nasen platt und seufzen sehnsuchtsvoll: „Nemo". Selbst wenn Popstars wie Britney Spears oder Robbie Williams durch das Haus zögen, sie hätten derzeit keine Chance gegen die bunten „Nemo"-Stars. Schade, dass Fische keine Autogramme schreiben können.

Eigentlich ist gegen das Aquarium nichts einzuwenden. Sie haben dort tolle Becken, riesige Fische, grazile Quallen, gruselige Krokodile und gefährliche Schlangen. Nur die Cafeteria taugt nicht viel. Sie ist klein, duster, und das Essensangebot ist langweilig. Außerdem gibt es in der Kantine kaum Fisch.

Das ist einige Kilometer weiter östlich ganz anders. Gegenüber von „Sea Life", dem neuen Fisch-Vergnügungspark am Dom-Aquarée, steht nämlich eine große Filiale der Imbiss-Kette „Nordsee". Ich finde das praktisch. Erst kann man sich bei „Sea Life" die vielen heimischen Fische anschauen, dann kann man sie bei der „Nordsee" verspeisen – egal in welcher Form, frittiert, gebraten oder gedünstet. Endlich mal ein Angebot für die ganze Familie.

Das Berliner Aquarium ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, Erwachsene zahlen 9 Euro, Kinder ab 3 Jahren 4,50 Euro Eintritt. „Sea Life" kostet für Erwachsene 13,50 Euro, für Kinder zwischen 3 und 14 Jahren 10 Euro, Schüler ab 15 Jahren zahlen 12,60 Euro. Nur Lehrer kommen kostenlos rein. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr.

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