Zeitung Heute : Fit für Europa

Die Mehrsprachige Schule Berlin orientiert sich am Konzept der privaten Ecole Moser aus Genf

Katja Gartz

Noch sind die Umbau- und Renovierungsarbeiten in vollem Gange: Damit aus ehemaligen Büroräumen Klassenzimmer werden, sind Wände und Türen frisch zu streichen, Bodenbeläge müssen ausgewechselt und der Schulhof hergerichtet werden. Bis zum Beginn des neuen Schuljahres soll in dem früheren Bürogebäude der Firma Walterbau in der Badenallee in Charlottenburg alles fertig sein. Im August eröffnet hier die Mehrsprachige Schule Berlin.

Das Schulkonzept ab Klassenstufe fünf orientiert sich an der Schweizer Privatschule Ecole Moser in Genf. Es beinhaltet eine gymnasiale Schulausbildung in deutscher, französischer und englischer Sprache, dabei kann die Erstsprache Deutsch oder Französisch sein. „Unsere Schule versteht sich als Antwort auf die Anforderungen, die ein zusammenwachsendes Europa an Jugendliche stellt“, sagt Pia Effront-Fink, Geschäftsführerin der neuen Berliner Privatschule.

Die Ecole Moser verfügt über 20 Jahre Erfahrung mit mehrsprachigem Unterricht. Die Schüler lernen die Sprachen additiv, das heißt, aufbauend auf Sprachkenntnissen beginnen sie nach ein bis zwei Jahren mit einer neuen Fremdsprache. Voraussetzung dafür ist, dass sie in einer Sprache alphabetisiert sind. In der fünften Klasse stehen vormittags ein bis zwei Stunden Französischunterricht auf dem Stundenplan. Der anschließende Fachunterricht in Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften, Erdkunde und Geschichte wird in der Muttersprache der Schüler unterrichtet. In den letzten beiden Stunden wird Sport, Kunst oder Musik, wieder in Französisch, unterrichtet.

Zusätzlich werden Wahlunterrichtsstunden zur Einführung der Fremdsprache genutzt. Englische Muttersprachler und bilinguale Schüler haben die Möglichkeit, ihre Deutsch- und Französischkenntnisse in Förderstunden zu verbessern. Ab der sechsten Klasse gibt es wöchentlich 16 Stunden Französischunterricht und auch Erdkunde, Biologie, Sport oder Kunst werden in Französisch unterrichtet. Englisch wird als Wahlpflichtfach mit zwei Wochenstunden, Latein als Arbeitsgemeinschaft eingeführt.

In den Klassen sieben bis zehn werden 50 Prozent des Fachunterrichts in wechselnden Fächern in Französisch angeboten. In der siebenten Klasse wird Sachkunde im Fach „Civilisation“ in Englisch unterrichtet. In der achten Klasse kommt in englischer Sprache das Fach Erdkunde hinzu und in der neunten und zehnten Klasse das Wahlpflichtfach Umweltwissenschaften. Latein wird weiterhin als Arbeitsgemeinschaft angeboten. Außerdem werden eine „Debating-Society“ und Vorbereitungsstunden für das englische Sprachdiplom IELTS eingeführt.

Weitere Fremdsprachen, etwa Italienisch oder Spanisch, können die Schüler ab der neunten Klasse frei wählen. Gefördert wird die Mehrsprachigkeit auch durch den Schüleraustausch mit der Ecole Moser in Genf. Nach der zwölften Klasse können die Schüler sowohl mit dem deutschen Abitur als auch mit dem Internationalen Baccalaureate die Schule abschließen.

„Vor allem in Kanada ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Fremdspachenerwerb im Alter von neun und zehn Jahren mit einem Programm, das 50 Prozent des Unterrichts in der Zielsprache anbietet, am erfolgreichsten ist“, berichtet die Deutsch- und Französischlehrerin Pia Effront-Fink. Um beim Thema Spracherwerb und neuen Anregungen für das Schulkonzept auf dem Laufenden zu bleiben, nimmt sie jährlich an einer zehntägigen Fortbildung bei der „Canadian Association of Immersion Teachers“ teil.

Die französischsprachigen Stunden an der Mehrsprachigen Schule Berlin werden von zwei Lehrerinnen aus der Schweiz unterrichten. Hinzu kommen ein Lehrer für die deutschsprachigen und drei für die englischsprachigen Unterrichtsstunden. Die künftige Leiterin der Schule, Doris Hilber, ist ebenfalls aus der Schweiz.

Unterrichtet werden die Schüler in kleinen Klassen mit individueller Förderung nach Wochenplänen, in Projekten, Gruppenarbeiten und fächerübergreifend. Im Unterricht geht es nicht nur um die Vermittlung des Lehrstoffs, die Lehrer haben auch Erziehungsfunktion, „schließlich sollen die Schüler selbstständig werden und respektvoll miteinander umgehen“, sagt Effront-Fink, deren Ziel es ist, dass Kinder gerne in die Schule gehen. Lehrer und Schulleitung seien ebenso für Schüler da, wenn es Probleme gäbe. Am Nachmittag sollen verschiedene Kurse angeboten werden beispielsweise Theater, Tanz, Fotografieren oder Filmen.

Für die private Ganztagsschule mit Betreuung von 8 bis 17 Uhr müssen Eltern allerdings tief in die Tasche greifen. Mit Hausaufgabenbetreuung kostet die Schule monatlich 680 Euro, plus 190 Euro pro Schuljahr für Schulmaterial. Voraussetzung für die Anmeldung ist die erfolgreiche Teilnahme der Schüler an der vierten Klasse. Finanziert von der Ecole Moser in Genf wird die Schule mit 20 Schülern und einer fünften Klasse nach den Sommerferien in Westend ihren Betrieb aufnehmen. Für das Schuljahr 2006/2007 ist eine siebente Klasse geplant. Geschäftsführerin Effront-Fink kennt sich in dieser Gegend gut aus. Die gebürtige Berlinerin hat in dem Villenviertel Abitur gemacht.

Die Mehrsprachige Schule Berlin lädt am 14. Juni 2005 um 19 Uhr zu einem Informationsabend in die Badenallee 31-32 ein. Weiteres unter Tel. 30 83 82 82 oder im Internet: www.msberlin.net

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