Zeitung Heute : Fitness für die Seele

Schmerzen sind oft psychosomatisch bedingt

Vivien Leue

Eine falsche Bewegung genügt und er ist da: Der Schmerz, der wie ein Blitz einschlägt. Lernt man die Signale des Körpers verstehen und bewegt sich dementsprechend, ist der wichtigste Schritt zur Vorbeugung bereits getan.

Hans-Dieter Kempf, Begründer einer Karlsruher Rückenschule und mehrfacher Buchautor zum Thema Rücken, rät zu viel Bewegung – nicht nur in der Freizeit. Nordic-Walking oder Laufen sind ideale „aerobe Ausdauerbelastungen“, wie das der Fachjargon nennt. Ausreichend Sport und Bewegung hilft nicht nur dem Körper, sondern auch dem Geist. An die Psyche denkt der Patient oft nicht, wenn es um die Behandlung und Vorbeugung von Rückenleiden geht.

Viele Forschungen gehen jedoch davon aus, dass rund 80 Prozent der Rückenleiden psychosomatisch bedingt sind. „Oftmals haben die Patienten eine falsche Selbsteinschätzung und ein unrichtiges Verhältnis zu ihrem Körper“, sagt der emeritierte Professor Erich Schmidt. An seinem Lehrstuhl für Wirbelsäulenerkrankungen in Frankfurt am Main untersuchte er unter anderem die Ursachen psychosomatisch bedingter Rückenleiden. „Der weniger begabte und frustrierte Mensch neigt eher zu Rückenschmerzen“, sagt der Wissenschaftler. „Wenn jemand morgens bereits angespannt ins Büro kommt, kann das im Laufe des Tages zu Schmerzen führen.“ Schmidt rät daher zur genauen Beobachtung der eigenen Verhaltens- und Gefühlswelten. Eine „korrekte Selbsteinschätzung“ sei wichtig, um Rückenleiden vorzubeugen. Entspannende Übungen aus dem Yoga oder autogenem Training können hierbei durchaus helfen.

Wer allgemeine Tipps für einen rückenfreundlichen Alltag sucht, trifft im Internet auf unzählige Vereine, die sich diesem Thema verschrieben haben. Einige bieten bereits auf ihrer Homepage gute Ratschläge an, um den schmerzhaften Donnerschlag zu vermeiden.

Doch auch hier gilt der Leitsatz von Hans-Dieter Kempf: Wer auf die Signale seines Körpers hört, findet seine ganz persönliche Idealstellung. Prävention allein hilft aber nicht immer. Hans-Dieter Kempf und Professor Schmidt plädieren beide dafür, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn sich Rückenleiden wiederholt einstellen. Bei zunehmenden Kopfschmerzen, starken Versteifungen im Nacken, Schwindel oder gar Übelkeit, müsse der Patient jedoch sofort einen Arzt konsultieren, sagt Hans-Dieter Kempf. Notfallübungen, die bei aktuen Schmerzen Entspannung bringen, können den Gang zum Doktor höchstens unterstützen, nicht jedoch ersetzen. Hans-Dieter Kempf empfiehlt Wärmeanwendungen mit Wärmflasche, temperierten Bädern oder einer Rotlichtlampe. Aber auch das Gegenteil kann helfen: Gelkissen aus dem Eisfach, Eispackungen oder Eiseinreibungen lindern mitunter den Schmerz.

Weiteres Im Internet:

www.DieRueckenschule.de

www.wirbelsaeulenliga.de

www.agr-ev.de

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