Zeitung Heute : Flache Fernseher und fetter Sound

Am Freitag beginnt die Internationale Funkausstellung unterm Funkturm. Umfassend wie nie wird der neueste Stand der Unterhaltungselektronik gezeigt

Ulrike Heitmüller

DIE 44. INTERNATIONALE FUNKAUSSTELLUNG IN BERLIN

Um Superlative ist Christian Göke nicht verlegen, wenn es darum geht, die Ifa zu preisen. „Alles ist da“, sagt der Geschäftsführer der Messe Berlin. „In noch nie auf der Ifa gezeigter Vielfalt, vom größten Fernseher bis zur kleinsten Digitalkamera, von der neuen Videokonsole mit den aktuellsten Videospielen bis zum Handy, mit dem man auch fotografieren und Radio hören kann.“ Wenn die Internationale Funkausstellung (Ifa) vom 29. August bis zum 3. September ihre Tore öffnet, dürfen sich die Besucher auf ein stramm geschnürtes Elektronik-Paket freuen.

Die Internationale Funkausstellung gilt als die wohl bedeutendste Messe für Konsumelektronik. Und in diesem Jahr wird tatsächlich die Rekordzahl von 1007 Ausstellern aus 37 Ländern erwartet – mehr als zwei Drittel von ihnen kommen aus dem Ausland. „Die Industrie nutzt die Ifa wie kaum zuvor“, meint Christian Göke. Was nicht unbedingt heißt, dass sich die inländische Konjunktur erholt hat: Denn weitaus mehr Aussteller sind vor allem aus China, Taiwan, Korea und Indien gekommen.

In diesem Jahr dauert die Messe nur noch sechs Tage, nicht mehr neun Tage wie bisher. Auf Bitten der Industrie, heißt es beim Veranstalter – Messebesuche seien schließlich teuer. Doch die Messepräsenz könnte für die Aussteller lukrativ sein. Schließlich ist die Ifa nicht nur eine Ordermesse für den Handel und die Fachbesucher, sondern auch eine Messe für das breite Publikum. Auf die letzte Ifa vor zwei Jahren zog es immerhin 370 000 Besucher. „Fast 25 000 Produkte der Unterhaltungselektronik sind derzeit in Deutschland auf dem Markt, und jedes Jahr kommen etwa 5300 Neuheiten dazu“, sagt Rainer Hecker, Vorsitzender des Aufsichtsrates für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik mbH (gfu). „Wo könnte sich der Konsument einen besseren Überblick über das Angebot verschaffen als auf der Funkausstellung in Berlin.“

Damit die Besucher in dieser Vielfalt nicht den Überblick verlieren, wurde das Ausstellungsprogramm in diesem Jahr in sechs Schwerpunkte unterteilt:

Radio und Fernsehen

Das Ifa-Angebot für Radio, Fernsehen und Unterhaltung ist groß. Wichtige Trends sind in diesem Jahr multimediafähige DVD-Spieler, Medien im Auto und vor allem: Flachbildschirme. 2003 „wird als das Jahr des flachen Bildschirms in die Geschichte eingehen“, meint Rainer Hecker sogar. Noch haben zwar vier von fünf verkauften Fernsehern eine Röhre, die das Gerät in die Tiefe wachsen lässt. Aber manch ein Hersteller stellt schon keine neuen Modelle mehr vor. Einige dagegen präsentieren gleich ein Dutzend Flach-Geräte. Plasmabildschirme oder LCD- Fernseher sind flach und das Bild ist (meist) brillant. Sharp zum Beispiel stellt einen 38-Zentimeter-LCD-Fernseher vor, der im November auf den Markt kommen und unter 1800 Euro kosten soll.

Digitale Fotografie

Zwei Ausstellungshallen sind in diesem Jahr für digitale Fotografie und digitale Musik reserviert. Die Kameras werden immer kleiner, haben noch mehr Megapixel Speicherkapazität – sie werden aber vor allem komfortabler. „Überall wird die Digitaltechnik eine dominierende Rolle spielen“, meint Hecker. Diese ermöglicht die Vernetzung der verschiedensten Geräte, so dass sich Bilder immer leichter archivieren, weiterleiten und drucken lassen (siehe auch Artikel unten). Auch der Service wird erweitert. Weil man heute immer öfter mit dem Handy fotografiert, präsentiert Kodak eine „Order-Station“ für Händler. Wer ein Foto-Handy mit Bluetooth oder Infrarot-Schnittstelle hat, kann sich dort ab Herbst seine Fotos auf Papier ausdrucken lassen.

Computer und Spiele

In den Hallen 1.2 und 3.1 wird Hard- und Software für das Büro zu Haus, für Edutainment und Entertainment vorgestellt. Dazu gehören Camcorder und Fernseher, die mit Festplatten ausgestattet sind, vor allem aber internetfähige Spielekonsolen. Der Gamecube von Nintendo und die X-Box von Microsoft sind vorangegangen, und jetzt ist auch Sonys Playstation 2 onlinefähig. Nun können Spieler mit ihr rund um die Welt gegeneinander antreten oder chatten. Die Spiele und die Möglichkeiten für diese Kommunikation werden immer ausgefallener. So zeigen die Macher der Playstation etwa das „EyeToy“. Das ist eine Webcam, die den Spieler nicht nur filmt und sein Bild auf den Schirm überträgt, die Kamera baut den Gefilmten sogar in das Geschehen des Spiels mit ein.

Handys / Online-Dienste

Vernetzung überall: Vor allem Telekommunikation und Unterhaltungselektronik sind inzwischen eng verbunden. Fernseher gehen online – zum Beispiel stellt die Loewe AG mit dem Articos 55 ein Projektions-Fernsehgerät vor, mit dem man auch im Internet surfen kann. Er wurde in Zusammenarbeit mit Carl Zeiss und Texas Instruments entwickelt, hat eine Bildschirmdiagonale von 140 Zentimeter und soll um die 7000 Euro kosten. Doch nicht nur bei Fernsehern, sondern vor allem bei Handys und Online-Diensten gibt es viele Entwicklungen. Dass „die Diskussion um UMTS noch längst nicht beendet ist“, gibt auch Hecker zu. Aber Handys haben Farbdisplays und Kameras, einige sogar mit Bildsensoren, die Aufnahmen mit einer Auflösung von bis zu einem Megapixel machen.

Innovative Netze

Wie kommt das Programm ins Wohnzimmer? In der Halle 2.1 werden die Wege vorgestellt: ob terrestrisch, über Satellit oder Kabel, über Decoder oder unterschiedliche Netzwerke. Damit aber wirklich nur Programme, nicht aber Einbrecher oder Computerviren den Weg ins vernetzte Heim finden, werden hier auch Sicherheitsfragen bei der Vernetzung erörtert. „Home Security“ und „Home Automation“ gelten als zwei Märkte mit Zukunft. Wer seine Programme im Wohnzimmer – oder im Auto – per Satellit empfängt, wird sich über die Satelliten-Antennen des koreanischen Entwicklers Camos mobile multimedia freuen. Die IMC GmbH präsentiert vier Exemplare, die kaum größer als ein DIN-A4-Blatt sind und selbst durch einfaches Glas hindurch funktionieren. Eines der Modelle ist sogar mobil: Man montiert es auf dem Autodach. Die Antenne fürs Auto soll nach der Ifa auf den Markt kommen und inklusive Receiver etwa 1700 bis 1800 Euro kosten.

Für Berliner und Brandenburger interessant ist das terrestrische Fernsehen. Hier ist es erfolgreich eingeführt, und bald soll es im gesamten Bundesgebiet Einzug halten. Auf der Ifa wird der Stand der Entwicklung gezeigt und mögliche Wege in die Zukunft (siehe auch Artikel auf Seite 30).

HiFi und High End

Auf 25 000 Quadratmetern präsentieren die Veranstalter diesmal HiFi und HighEnd, CarHiFi, Navigation und Mobile Media. Damit ist dies der zweite große Ifa-Schwerpunkt neben TV und Entertainment. Die Ifa ist zugleich die größte HiFi-Fachmesse der Welt. Hier gibt’s Skurriles und Rekorde, Nützliches und Unterhaltsames en masse zu bewundern. Ein Digital Sound Projektor von Pioneer zum Beispiel, eine Weltneuheit, bündelt Schwingungen mit einer Software so, dass der Eindruck von Lautsprechern mit einem Mehrkanalton entsteht. Der PDSP 1 wiegt einen Zentner, soll im Herbst auf den Markt kommen und 35 000 bis 40 000 Euro kosten. Wer aber gedacht hat, dies sei schon teuer, sollte erst einmal die HiFi-Anlage anschauen, die von den Redaktionen der Fachmagazine Audio und Stereoplay aufgebaut wird. Diese Zusammenstellung ist satte 1,2 Millionen Euro wert, und dürfte damit die teuerste HiFi-Anlage sein, die es derzeit zu sehen gibt.

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