Zeitung Heute : Flaggschiff am Alex

Die Modernisierung der Galeria Kaufhof leitete die Renaissance eines Platzes ein. Nun macht der Standort dem Tauentzien immer mehr Konkurrenz

 Katrin Zeug
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Die Flure im obersten Stockwerk des Kaufhofs am Alexanderplatz liegen kahl im Neonlicht. Schwere Feuerschutztüren mit Namensschildchen säumen den Gang. Geschäftsführer Detlef Steffens huscht unfroh über den Linoleumboden: In seinem Büro hier fühle er sich unwohl, sagt er, zu weit ab vom Geschehen. Dann öffnet er eine letzte dicke Eisentür und drückt die Brust heraus, mit dem Galeria-Kaufhof-Logo am Kragen wie alle Mitarbeiter. Strahlend tritt er ein in die bunte Welt seines Warenhauses. Es sieht gut aus: Marmor an den Treppengeländern, die beleuchtete Kuppel in der Mitte des Dachs, die hohen Decken, die Weite. Man glaubt ihm, dass die Kollegen anderer Kaufhof-Häuser ein wenig neidisch sind.

Von 2004 bis 2006 investierte das Mutterunternehmen Metro 27 Millionen in das Haus und verwandelte den Ostbau am Alexanderplatz in das Flaggschiff des Unternehmens. „Der Kunde von heute verlangt eine breitere Auswahl im Sortiment, großzügiger gestaltete Flächen, breite Gänge, kreative Dekoration. Produkte, bei denen wir nur wenig Auswahl bieten konnten, haben wir aus dem Sortiment genommen”, sagt Steffens. Das neue Konzept bringe deutlich höhere Umsätze. Der Einzelhandel am hart umkämpften Standort Berlin ist ein zähes Geschäft, dessen Umsätze nach Angaben der IHK seit eineinhalb Jahrzehnten sinken oder stagnieren. Doch das gilt nicht für den Alexanderplatz. Die Lage sei gut, sagt Steffens, der die Kaufhof-Filiale seit 2000 leitet. Die Käufer kommen, weil sie am Alexanderplatz in Busse und Bahnen ein- oder umsteigen und mehrere große Geschäfte an einer Stelle finden. Vom Schwung neuer Passanten, die das „Alexa“-Center anzieht, profitiert auch der Kaufhof. Darum erwartet Steffens auch den nächsten neuen Nachbarn gelassen: Wenn Ende März das Geschäftshaus „die Mitte” mit gut 20 000 Quadratmetern Fläche eröffnet, werde es noch mehr Käufer an den Platz locken.

In der „Interessengemeinschaft Alexanderplatz“ engagiert sich Steffens neben den anderen Filialleitern am Platz für die rasche Umsetzung der Bauvorhaben. Die Ladenmieten steigen kontinuierlich – trotz des Zuwachses an Verkaufsfläche. 30 Prozent der Kundschaft seines Hauses seien außerdem Touristen aus den umliegenden Hotels, sagt Steffens. Viele deutsche Städtereisende, aber auch Italiener und Spanier kämen in den Abendstunden nach dem Sightseeing. Eine Klientel, die in Kauflaune ist, aber nicht nach Luxus sucht, wie die Besucher der teureren Hotels, weiter im Westen. Steffens hat für sie die Öffnungszeiten verlängert, dreimal die Woche bis 22 Uhr, und einen Souvenirshop eingerichtet.

Doch ein guter Standort allein reiche nicht für dauerhaften Erfolg, sagt Steffens. Das Betriebsklima sei entscheidend: „1100 Menschen arbeiten in diesem Haus, wir verbringen so viel Zeit miteinander. Ich möchte, dass wir uns als Gemeinschaft fühlen – nicht zuletzt, weil das auch die Kunden spüren.“ Als der Umbau anstand, machte Steffens mit seinen Mitarbeitern einen Deal. Die männlichen Mitarbeiter wurden zum „Umbautrupp“ beordert, kamen morgens im Blaumann und renovierten die Filiale. „Dadurch konnte die Stammbesetzung erhalten bleiben, und alle haben ein besonderes Gefühl für das Haus bekommen.“

Detlef Steffens isst wie alle anderen in der Kantine, läuft bis zu sechs Stunden täglich durch das Kaufhaus, um mit Mitarbeitern zu reden, und hat ein jährliches Fest etabliert, bei dem die gesamte Belegschaft gemeinsam feiert. Nicht ganz zufällig liegt das in der Faschingszeit. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer hat Verbindungen zu einem Kostümverleih am Friedrichstadtpalast und durchgesetzt, dass traditionell etwa 90 Prozent der Belegschaft verkleidet kommen – er selbst erschien in diesem Jahr als Clown und zog sich später noch mal um, zur Ballerina.

1947 geboren und bei Koblenz aufgewachsen, ist Steffens dem Unternehmen seit seiner Ausbildung zum Kaufmann fest verbunden. Bald wurde er Abteilungsleiter und „tourte durch das Land“. Die Stationen seiner Laufbahn? Zwischen 20 und 25 müssen es gewesen sein, schätzt er. 1991 ging er als einer der ersten Filialleiter für Kaufhof in den Osten. „Wir waren alle skeptisch. Wer kannte schon Marzahn?“, sagt Steffens. Zwei Jahre sollten es werden, aber schon nach einem Jahr kamen seine Frau und die drei Kinder zu ihm nach Berlin – und sind noch immer hier. Ob er sich Sorgen wegen der Krise mache? Der Mutterkonzern Metro AG sei börsennotiert, darum will er da nichts sagen. Aber die umliegenden Hotels seien voll – und er zuversichtlich. Als Zeichen dafür hat er die Termine des Jahresfestes schon bis 2050 bekannt gegeben. 2050 wäre er 103 Jahre alt und würde sich freuen, sagt er, wenn man ihn einlädt.

„Der Warenhauskunde von heute verlangt eine breitere Auswahl im Sortiment, großzügiger gestaltete Flächen, breite Gänge und eine kreative Dekoration. Produkte, bei denen wir nur wenig Auswahl bieten konnten, haben wir deshalb aus dem Sortiment genommen. Das neue Konzept bringt deutlich höhere Umsätze.“

Detlef Steffens, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz

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