Zeitung Heute : Fleischbrühe auf dem Zauberberg

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Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ spielt vor dem Ersten Weltkrieg. Der junge Hamburger Patriziersohn Hans Castorp besucht seinen lungenkranken Vetter in einem Sanatorium im schweizerischen Davos:

„Im Speisesaal wurden alle Getränke geschenkt, die zu dieser Stunde nur irgend in Betracht kommen. Miss Robinson trank wieder ihren blutroten Hagebuttentee, während die Großnichte Yoghurt löffelte. Außerdem gab es Milch, Tee, Kaffee, Schokolade, ja sogar Fleischbrühe, und überall waren die Gäste, die seit dem üppigen Mittagsmahl zwei Stunden liegend verbracht hatten, eifrig beschäftigt, Butter auf große Schnitten Rosinenkuchen zu streichen.

Hans Castorp hatte sich Tee geben lassen und tauchte Zwieback hinein. Auch etwas Marmelade versuchte er. Abermals saß er an seinem Platze im Saal mit dem einfältig bunten Gewölbe, den sieben Tischen – zum viertenmal. Etwas später, um sieben Uhr, saß er zum fünftenmal dort, und da galt es Abendessen. In die Zwischenzeit, welche kurz und nichtig war, fiel ein Spaziergang zu jener Bank an der Bergwand, beim Wasserrinnsal – der Weg war jetzt dicht belebt von Patienten, so daß die Vettern häufig zu grüßen hatten – und eine neuerliche Liegekur auf dem Balkon, von flüchtigen und gehaltlosen anderthalb Stunden.“

Thomas Mann: „Der Zauberberg“, S. Fischer Verlag, Berlin 1924.

LITERATUR

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