Zeitung Heute : Fliegen, leicht gemacht

Die USA und die EU haben ein neues Luftfahrtabkommen geschlossen. Welche Vorteile bringt es für Passagiere?

Juliane Schäuble

Zehn Jahre dauerten die Verhandlungen. Aber erst am Donnerstag einigten sich die 27 EU-Verkehrsminister auf ein neues Luftfahrtabkommen mit den USA, das Experten für wegweisend halten. Europäische Fluggesellschaften erhalten ab März 2008 freien Zugang zu den Flughäfen jenseits des Atlantiks und umgekehrt. Ein „historisches Abkommen“ nennt Thomas Kropp, der bei der Lufthansa das Ressort Konzernpolitik leitet, die Einigung. Denn bisher habe jedes EU-Mitglied einzeln mit Washington über Start- und Landerechte verhandeln müssen. Das war vor allem für kleinere Länder ein Nachteil. Nun könne von jedem Punkt in Europa aus jeder Punkt in den USA angeflogen werden. „Die Lufthansa kann jetzt zum Beispiel Flüge von Stockholm nach Chicago anbieten, wenn sie das will“, sagt Kropp.

Seit 1997 gibt es ein ähnliches Abkommen schon innerhalb Europas. Indem jetzt ein offener Luftraum auch über dem Atlantik geschaffen wird, soll zusätzlicher Wettbewerb entstehen. So soll die Zahl der Flugpassagiere in den nächsten Jahren um 26 Millionen steigen (zurzeit sind jährlich knapp 48 Millionen Fluggäste auf diesen Strecken unterwegs). Brüssel verspricht sich davon bis zu 80 000 Arbeitsplätze sowie sinkende Preise für USA-Flüge. Tickets würden im Schnitt zwischen 25 und 43 Euro billiger, schätzt die EU-Kommission. Insgesamt könnten Verbraucher 15 Milliarden Euro sparen.

„Die Preise werden nicht auf Knopfdruck fallen“, dämpft allerdings die Lufthansa die Erwartungen. Aber wo mehr Wettbewerb herrsche, würden langfristig auch die Tickets günstiger. „Und wenn zusätzliche Verbindungen im Langstreckenbereich aufgenommen werden, entstehen dort natürlich auch neue Jobs“, sagt der Vorstandsbevollmächtigte für die Lufthansa in Berlin. „Voraussetzung ist aber, dass die Politik die Rahmenbedingungen schafft.“ So müsse in Berlin der Flughafen BBI endlich kommen, in Frankfurt und München fehle je eine Landebahn. „Deutsche Fluglinien werden nun mehr Ziele ansteuern können“, sagt Tanja Wielgoß vom Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF). Und wo Liberalisierung stattfinde, könne der Kunde mit sinkenden Preisen rechnen.

Teil des Abkommens ist auch, dass die jeweiligen Sicherheitsbestimmungen der Länder aufeinander abgestimmt werden sollen. Damit soll verhindert werden, dass ein Passagier bei einem Flug von Budapest über Frankfurt nach New York jedes Mal kontrolliert wird.

Dass die Verhandlungen über einen offenen Luftraum so lange gedauert haben, lag vor allem an Großbritannien. Bisher dürfen vom Londoner Flughafen Heathrow aus nur vier Fluggesellschaften Transatlantikflüge anbieten: Neben den British Airlines und Virgin sind das die US-Linien American und United Airlines. Nun kann auch die Lufthansa über London in die USA fliegen und dort Passagiere an Bord nehmen. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der derzeit im Ministerrat den Vorsitz hat, machte ein Zugeständnis an die Briten: Das Abkommen tritt statt wie geplant im Herbst nun erst ein halbes Jahr später in Kraft. Das soll den britischen Airlines Zeit geben, sich umzustellen.

Dennoch bleibt manches ungelöst. So dürfen die Europäer beispielsweise keine nationalen Flüge zwischen New York und Los Angeles anbieten. „Die Amerikaner können das aber zwischen den Staaten in Europa“, sagt Kropp. Dieses Privileg der USA sei beibehalten worden, die EU habe im Gegenzug nichts bekommen. Die Lufthansa hofft daher auf eine zweite, schon geplante Verhandlungsrunde in Brüssel. Ab 2010 sollen diese Fragen geklärt werden.

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