Zeitung Heute : Fliegen statt fahren

Nur noch jeder 20. Urlauber startet mit Bus und Bahn in die Ferien

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Am Urlaub wird zuletzt gespart, darin sind sich alle Studien einig. Doch bei der Wahl des Verkehrsmittels gibt es durchaus Unterschiede. Die Verlierer, so die jüngste TourismusStudie des BAT Freizeit-Forschungsinstituts in Hamburg, sind Bus und Bahn. Mittlerweile nur noch jeder 20. Urlauber startet mit ihnen in die Ferien. Und auch die Renaissance der Ferienreise im eigenen Auto dürfte durch die aktuelle Entwicklung der Benzinpreise einen empfindlichen Rückschlag erleiden. Dagegen scheint die wachsende Zahl an Billig-Airlines den Negativ-Trend im Luftverkehr weitgehend zu kompensieren.

So wirkt sich die Kostenexplosion an den Zapfsäulen kontraproduktiv auf den innerdeutschen Tourismus aus. Ursprünglich, so die BAT-Forscher, wollte 2004 nahezu jede zweite deutsche Familie mit Kindern mit dem Pkw in den Urlaub im eigenen Land fahren, darunter wesentlich mehr Ost- als Westdeutsche. Angesichts der Schnäppchen-Angebote der wachsenden Zahl von Billigfliegern – erst vor wenigen Tagen weitete Condor als erste Luftverkehrsgesellschaft diesen Trend auch auf die Langstrecke (ab 99 Euro) aus – dürfte jetzt so mancher Autofahrer doch noch auf das Flugzeug umsteigen. Gerade im näheren Ausland scheinen die Billigflieger den Trend jetzt umzukehren. Italien und Österreich, nach Spanien die Favoriten der Bundesbürger, sind Dank der Low-Cost-Carrier wieder verstärkt in den Flugplänen zu finden.

Ungebrochen ist der Trend zur Kurzreise. Der Mini-Trip zum Shopping, Sport- oder Kulturereignis oder einfach auch nur zum Bummel in einer anderen Stadt hat trotz Konjunkturkrise nichts an Attraktivität verloren. Der zunehmende Preisverfall durch die No-Frills-Airlines macht dabei das Flugzeug auch für mittlere Entfernungen zur nicht nur schnelleren, sondern auch meist kostengünstigeren Alternative gegenüber Bahn, Bus oder dem eigenen Pkw.

Zwei Beispiele für Reisen, wie sie am vergangenen Wochenende stattgefunden haben könnten: Für die jeweils rund sechsstündige Fahrt nach Amsterdam und zurück hätte die Deutsche Bahn bei kurzfristiger Buchung (ICE ohne Bahncard) 168 Euro verlangt. Der 75-minütige Flug ab Schönefeld mit Basiq Air ins als Alternative vermarktete Rotterdam und retour wäre für 78,39 Euro zu haben gewesen. Dazu wäre allerdings eine einstündige Fahrt mit dem Zubringerbus nach Amsterdam gekommen.

Auch im Inland wäre ein Flug vorteilhafter. 178 Euro hätte die Bahn für die pro Richtung rund sechseinhalbstündige Fahrt von Berlin nach München und zurück verlangt. Für 36 Cent weniger hätte man die Reise auch in einer Flugstunde mit dba bewältigen können. du-

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