Zeitung Heute : Fliegen wie Opa

Rainer W. During

Der Enkel des genialen Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier umrundet mit einer Oldtimer-Maschine die Welt. Am Freitag will er auf dem Müggelsee landen

Nach 72 Jahren soll am Freitag wieder ein Dornier-Flugboot auf dem Müggelsee wassern. Am 24. Mai 1932 war hier die legendäre DoX – ein „fliegendes Schiff“ von seinerzeit gigantischen Ausmaßen – nach einem Flug um die halbe Welt von einer begeisterten Menge empfangen worden. Jetzt hat es der Enkel des genialen Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier, Iren Dornier, mit seinem Do24-ATT-Oldtimer von den Philippinen immerhin schon bis nach Schönefeld geschafft. Von der dortigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung soll nun auch der Luftsprung zum nahen Müggelsee realisiert werden.

Auch die Do24 war ein Meisterwerk Claude Dorniers. Der Seeaufklärer galt im Zweiten Weltkrieg als das beste Flugboot. Die letzten Exemplare flogen bis in die 80er Jahre für die spanische Luftwaffe. Eine 1944 in Dienst gestellte Maschine holte Dorniers Sohn Claudius anschließend nach Deutschland zurück. Mit neuen Tragflächen, Motoren und einem Fahrgestell, das auch Landungen auf festem Boden ermöglicht, entstand der „Amphibische Technologieträger“ Do24-ATT. Wieder waren die Dorniers ihrer Zeit voraus, denn die Renaissance der Wasserflugzeuge begann erst vor wenigen Jahren. Nach den Testflügen landete das Flugzeug deshalb als Leihgabe im Museum.

Das ließ Dorniers Enkel Iren nicht ruhen. Er lebt auf den Philippinen und betreibt dort mit den South East Asia Airlines eine eigene Fluggesellschaft. Im vergangenen Jahr ließ er die Maschine demontieren und per Schiff nach Fernost transportieren. Dort sträubten sich den Technikern die Haare. Um die Do24 museumsgerecht zu machen, waren Kabel und Hydraulikleitungen einfach gekappt worden. Doch in 15 000 Arbeitsstunden wurde die Maschine wieder in einen flugfähigen Zustand versetzt. Am 16. April startete Iren Dornier mit einer fünfköpfigen Crew nach Deutschland. Es ging über Kambodscha, Thailand, Indien, Dubai, Kairo, Athen. „In der Luft ist sie schön, im Wasser spitzenmäßig“, lobt Dornier seine Maschine. Mit dem Flug rund um die Welt wirbt er für die Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Die durch wasserdichte Schotts in mehrere Abteile getrennte Kabine bietet bequeme Sessel für zehn Passagiere. Tickets kann man keine kaufen. Nur wer Dornier auf der ILA eine ordentliche Summe für Unicef spendet, hat eine Chance, bei einem Flug dabei zu sein.

Die am Freitag für 18 Uhr geplante Landung auf dem Müggelsee soll ein weiteres Highlight des Weltfluges werden. Von Berlin aus geht es nächste Woche zum Starnberger See, danach will Dornier Kurs auf Amerika nehmen. Auf dem Hudson River in New York hatte die DoX in den 30er Jahren ebenfalls für Aufsehen gesorgt. Afrika, Südamerika, Australien und Japan sollen weitere Ziele werden. „Acht Monate, vielleicht auch mehr“, kalkuliert der Pilot für die Weltumrundung.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!