Zeitung Heute : Fliegende Laptops

Im Flugzeug ins Internet – wie funktioniert das?

Kai Kolwitz

Mit dem Handy im Flugzeug zu telefonieren, das wird frühestens ab nächstem Jahr möglich sein – aber mit dem eigenen Laptop ins Internet, das geht schon jetzt. Die Lufthansa hat als eine der ersten Fluggesellschaften der Welt gerade fünf Airbus 340, die auf der Strecke München-Los Angeles eingesetzt werden, umrüsten und mit dem Funknetzwerk Wireless LAN, kurz WLAN ausstatten lassen. WLAN ist eine Möglichkeit für Computer, miteinander Kontakt aufzunehmen und zwar ohne Kabel, nur per Funk. Auf dem Boden ist das schon länger gebräuchlich: Die meisten neueren PCs sind ab Werk mit dieser Möglichkeit ausgestattet. Bis Frühjahr 2006 soll das Surfen dann auf allen Langstreckenflügen möglich sein.

Zwar gab es auch früher schon Versuche, das Netz in die Maschine zu bekommen. Doch diese Systeme arbeiteten in der Regel mit der Verbindung, die auch das Satellitentelefon nutzte – und da tröpfelten die Daten eher, als dass sie flossen. Die Bandbreite war zu gering für die Datenmenge – sie war, um im Bild zu bleiben, eher Gartenschlauch denn Wasserrohr; bei dem neuen Modell dagegen ist die Bandbreite höher. Die Verbindung erfolgt schlussendlich über Fernsehsatelliten. Auf denen hat der amerikanische Technik-Entwickler und Anbieter „Connexion by Boeing" Kapazitäten gebucht.

Es hat lange gedauert, bis das Verfahren gefunden war. Zum einen, weil es nicht einfach ist, zwischen einem Flieger, der 800 Kilometer pro Stunde zurücklegt, und einem Satelliten in 36 000 Metern Höhe einen stabilen Kontakt zu knüpfen. Außerdem muss der Wechsel von einem Satelliten zum anderen fließend funktionieren, damit die Verbindung nicht abreißt – was wiederum hohe Anforderungen an die Feinjustierung der Antenne stellt. Nun ist das aber geschafft, und Lufthansa und Connexion versprechen über WLAN sogar schnellere Daten-Übertragungen als bei ISDN-Verbindungen. Das kostet allerdings: Für 30 Minuten Onlinezeit werden knapp 10 Euro fällig.

Sicherheitsbedenken gegen das Funknetz an Bord gibt es übrigens nicht, denn Laptops senden mit wesentlich weniger Leistung als etwa ein Handy. Während Start und Landung müssen Notebooks aber trotzdem ausbleiben, wie CD- und mp3-Player auch. Man will verhindern, dass die Geräte durch die Kabine fliegen und Passagiere verletzen. Zum anderen braucht das Personal die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Gäste, für den Fall, dass was passiert.

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