Zeitung Heute : Flinke Zungenschläge

REIMZEIT Von der Lesebühne zur Soloshow: Tilman Birrs Kabarett-Debüt „Das war hier früher alles Feld“

eNTe

Seit langem bereichern Lesebühnen die Kabarettlandschaft, nicht zuletzt als Talent- schmiede für Solokünstler. Auch Tilman Birr holte sich den Feinschliff für die Rampe bei der Frankfurter „Lesebühne Ihres Vertrauens“ sowie den Berliner Zusammenschlüssen „Samstagsshow“ und „Neuköllner Lesegala“. Und nur klein ist der Schritt zum Poetry Slam. Es erfordert ein hellwaches Publikum, wenn der Einunddreißigjährige seine quasi schnell geschnittenen, oft dialogischen Texte vor- trägt. Ein fettes Plus ist seine Dialekt- begabung. Mit überzeugendem Zungenschlag thematisiert er die Liebe zu einer Frau aus Thüringen, und in astreinem Brandenburgisch spricht er eine harsche (Ost)berliner Post- beamtin, für die alles jenseits der Elbe bayerisch ist. Und ebendies beherrscht er auch: zumindest pseudo-bajuwarisch kauderwelscht er sich durch die Nummer „Hoadabazl“. Was ihn überdies zum abend- füllenden Alleinunterhalter prädestiniert, ist seine Musikalität. Sein Programm „Das war hier früher alles Feld“ ist durchsetzt mit einigen entzückend ironischen Liedern zur Klampfe. Pfiffig nutzt er seine stimmliche Nähe zu Reinhard Mey, indem er dessen Stil persiflierend übernimmt und von einem „Berlin ohne Berliner“ träumt. Ein Berlin ohne Birr hingegen gibt es ab sofort nicht mehr. eNTe

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben