Zeitung Heute : Flotte Sportler mit dem Oktogon

Ingo von Dahlern

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, ist noch nicht absehbar, wie sich das Schicksal von MG Rover nach der Trennung von BMW entwickeln wird. Auf jeden Fall ist die britische Traditionsmarke noch da und für viele, die Rover längst totgesagt hatten, sogar verblüffend lebendig - auch auf dem deutschen Markt. Gewiss, rund 7600 Neuzulassungen in den ersten zwei Dritteln des laufenden Jahres bedeuten zwar ein knappes Drittel weniger, als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Doch damit liegt MG Rover noch weit vor Saab oder auch Lancia. Und wenn nicht alle Zeichen trügen, steigen die Zulassungszahlen der Briten derzeit wieder. Das könnten sie angesichts vier neuer Modelle, von denen drei in diesen Wochen und das vierte im Dezember auf den Markt kommen, künftig noch sehr viel kräftiger tun.

Dabei setzt MG Rover auf Freunde betont sportlicher Modelle. Denn die neuesten Produkte starten unter dem Markenzeichen MG. Damit greift MG Rover weit in die Geschichte zurück - genau genommen bis zum Jahr 1922. Damals nämlich begann der Autonarr und Renn-Enthusiast Cecil Kimber, der in Oxford die Morris-Verkaufsniederlassung leitete, sich als Tuner zu betätigen. Er baute auf Kundenwunsch als sportlich modifizierte Varianten der Morris-Serienfahrzeuge sogenannte Specials, die er mit dem Oktogon-Emblem der Morris Garage zierte.

Damit waren bereits 1924 sowohl die Marke MG als auch deren Markenzeichen geboren. Zu den bekanntesten Modellen von MG gehörten der von 1945 bis 1949 gebaute MG TC Midget, der von 1955 bis 1959 gebaute MGA 1500 und der sehr populäre MGB, der zwischen 1962 und 1980 die MG-Werkshallen verließ. In den Achtzigern allerdings begann die einst so gefeierte Marke wie schon so viele britische Spezialisten in der Versenkung zu verschwinden. Doch dann hat Rover sie 1995 mit dem Mittelmotor-Roadster MGF zu neuem Leben erweckt, konnte schon wenige Jahre später sogar der 75. Geburtstag von MG gefeiert werden.

Und nun wird aus dem einen MG-Modell gleich eine ganze Familie. Das sind allerdings im Gegensatz zum MGF keine eigenständigen MG-Modelle, sondern, wenn man so will, in guter MG-Tradition getunte Versionen von Serienautos, die normalerweise mit dem Rover-Emblem vom Band rollen. Aus Rover 25, 45 und 75 werden so MG ZR 160, MG ZS 180 und

MG ZT 190 sowie dessen Kombiversion MG ZT-T 190. Um aus den drei Rover-Modellen sportliche MG-Modelle werden zu lassen, reichen ein paar optische Retuschen nicht aus. Denn zu kraftvollen Sportlern unter dem MG-Signet werden diese Autos erst durch eine Vielzahl tief greifender technischer Veränderungen beim Antriebsstrang und dem Fahrwerk.

Kleinster der neuen Sportler ist der MG ZR 160, der mit solchen Autos wie dem Seat Ibiza 1.8 T Cupra, dem Peugeot 206 2.0 S 16V, dem Fiat Punto 1.8 16V HGT, dem VW Polo 1.6 GTI und dem Opel Corsa 1.8 16V GSi konkurriert. Der ZR ist ein 4,01 Meter langer dreitüriger kompakter Sportler, der mit einem 118 kW

(160 PS) leistenden 1,8-Liter-Vierzylinder mit variabler Ventilsteuerung geradezu üppig motorisiert ist. Entsprechend fallen auch seine Fahrleistungen aus. Denn in nur 7,8 Sekunden erreicht der ZR Tempo 100 und maximal sind 210 km/h möglich. Eine Agilität, mit der das ZR-Sportfahrwerk problemlos fertig wird. Das ist nicht nur straffer abgestimmt, sondern auch tiefer gelegt und ermöglicht ein problemloses und sicheres Handling des kleinen Sportlers, der auf 17-Zoll-Leichtmetallrädern mit Reifen 205/45 ZR 17 rollt.

Dass man es hier mit einem kräftigen Auto zu tun hat, signalisieren auch die neuen Front- und Heckschürzen samt Spoiler und die Seitenschweller sowie Lufteinlässe aus poliertem Metall im Matrix-Design und die groß dimensionierten Doppelendrohre mit Edelstahl-Blende. Der sportliche Auftritt setzt sich innen mit Sportsitzen in Teilleder-Ausstattung, Dreispeichen-Lederlenkrad, weiß-grau unterlegten Rundinstrumenten und Applikationen in Rhodium-Silber für Armaturentafel, Türverkleidungen und Mittelkonsole fort. Mit Komfortdetails wie elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung und Klimaanlage ausgestattet kostet der MG ZR 19 300 Euro (37 748 DM).

Mit 22 300 Euro (43 615 DM) ein wenig tiefer in die Tasche greifen muss, wer sich für den MG ZS 180 entscheidet. Dafür erhält er eine 4,38 Meter lange viertürige Sportlimousine mit Stufenheck, die mit ihren Front-, Heck- und Seitenschürzen nicht nur eine attraktive Figur macht, sondern auch aerodynamisch überzeugt und innen eine ähnlich sportliche Optik zeigt, wie der kleinere ZR. Herzstück dieses Fahrzeugs ist ein 2,5-Liter-Sechszylinder mit einer Leistung von 130 kW (177 PS), der zu den kompaktesten und leichtesten Triebwerken seiner Art gehört und insbesondere im mittleren und oberen Drehzahlbereich mit viel Kraft überzeugt und ein höchstes Drehmoment von 240 Nm bei 4000/min liefert. Basis dieses zugleich sehr kultivierten Triebwerks ist der KV6-Motor von Rover. Den MG ZR lässt der V6-Motor binnen 7,7 Sekunden Tempo 100 und maximal 224 km/h erreichen. Geschaltet wird mit einem eng gestuften Fünfgang-Getriebe und das speziell für den flotten Sportler ausgelegte tiefer gelegte und sportlich straffe Fahrwerk zeigt, dass die bei seiner Entwicklung bei vielen Sprint- und Bergrennen gewonnenen Erfahrungen überzeugend in die Praxis umgesetzt wurden.

Die Krönung der neuen MG-Familie ist der MG ZT 190, den es sowohl als Limousine als auch - vom Dezember an - als Kombi ZT-T gibt. Seine Basis ist die luxuriöse 4,75 lange Stufenhecklimousine Rover 75 beziehungsweise dessen 4,80 Meter lange Kombiversion. Basis des 2,5-Liter-Sechszylinders, der den MG ZT antreibt, ist wie schon beim ZR der KV6-Motor von Rover, der hier allerdings eine Leistung von 140 kW (190 PS) entwickelt und sein höchstes Drehmoment von 245 Nm bei 4000/min liefert. Die knapp 1,6 Tonnen wiegende Limousine und der fünf Zentimeter längere Sportkombi lassen wie auch die übrigen MG-Modelle schon auf den ersten Blick erkennen, dass sie Ausnahmeautos sind. Und eindrucksvoll bestätigt wird das, sobald man die ersten Kilometer am Steuer der ZT-Modelle zurückgelegt hat, die dank ihres leis-tungsstarken Triebwerks ungemein flott und dank ihres sportlichen Fahrwerks zugleich überzeugend fahrsicher und trotzdem auch angenehm komfortabel sind. In nur 8,2 Sekunden erreicht die bis zu 225 km/h schnelle Limousine Tempo 100 und der Kombi ist mit 8,7 Sekunden und maximal 220 km/h nur unbedeutend langsamer. Geschaltet wird auch hier mit einem sportlich gestuften Fünfganggetriebe und gebremst mit vier Scheiben und einem ABS, das mit einer elektronischen Bremskraftverteilung kombiniert ist. Beide ZT-Versionen rollen auf 18-Zoll-Rädern und bieten neben der sportlichen Innenausstattung auch eine umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung - und das mit 31500 Euro (61609 DM) für die Limousine und 32800 Euro (64151 DM) für den Kombi auch noch zu einem durchaus attraktiven Preis. Gute Zukunftsperspektiven also für MG als sportlicher Marke von MG Rover.

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