Fluglinien : Asche kostet 1,3 Milliarden

Verband beklagt Schaden durch Startverbote / Debatte um Staatshilfen / Luftverkehr normalisiert sich

C. Brönstrup[K. Hoffmann] S. Lemkemeyer

Berlin - Der internationale Luftfahrtverband Iata beziffert die Kosten, die den Fluggesellschaften durch die tagelangen Startverbote wegen der Vulkan-Aschewolke aus Island entstanden sind, auf bislang mehr als 1,3 Milliarden Euro. Der Verband rügte am Mittwoch erneut Europas Regierungen wegen ihres Krisenmanagements und forderte die Politik auf, die Fluggesellschaften finanziell zu unterstützen. Nach fast einwöchiger Zwangspause gab die Deutsche Flugsicherung alle Flughäfen der Bundesrepublik wieder für den normalen Betrieb frei.

Allerdings kam es weiter zu Beeinträchtigungen. Bis alle Maschinen wieder in ihrer Position sind, dürfte es nach Angaben von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber noch mindestens zwei Tage dauern. Am Mittwoch konnten etwa 80 Prozent aller geplanten Flüge starten, teilte die europäische Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol mit. Der gesamte Luftraum über Europa war am Mittwoch um 18 Uhr wieder freigegeben, außer in Finnland und Teilen von Schottland. Die EU-Kommission verlangte, das Wirrwarr der nationalen Zuständigkeiten bei der europäischen Luftsicherheit zu beenden.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums wird das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen am kommenden Wochenende bundesweit gelockert, um den Transportstau von Waren infolge der Flugausfälle in den vergangenen Tagen auszugleichen.

Die Gesamtlage entspannte sich zusätzlich weiter, weil der Vulkan Eyjafjalla immer weniger Asche in die Atmosphäre schleudert. Auch die wegen der Aschewolke teils stark erhöhten Feinstaubwerte in Deutschland sinken wieder, teilte das Umweltbundesamt mit. Eine Gefahr für die Gesundheit habe nicht bestanden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der von den Fluggesellschaften heftig attackiert worden war, verteidigte die Flugverbote als „absolut richtig und alternativlos“. Im Flugverkehr könne oberste Priorität nur die größtmögliche Sicherheit sein, sagte Ramsauer in einer Regierungserklärung im Bundestag. Er verteidigte zugleich die Entscheidung, vor der kompletten Freigabe des Flugverkehrs bereits einzelne Sichtflüge zuzulassen. Zugleich gab er bekannt, dass er die Verkürzung der Inspektions- und Wartungsintervalle bei allen Flugzeugen veranlasst habe. Außerdem werde ein Meldezentrum für Vorkommnisse an Triebwerken durch Vulkanasche eingerichtet.

Die Deutsche Lufthansa will trotz der finanziellen Auswirkungen nicht um Staatshilfen bitten. „Wir brauchen kein Bailout, wir brauchen keinen Regenschirm“, sagte Mayrhuber in Berlin. Die Fluglinien bräuchten aber Erleichterungen bei Regulierungen. Den wirtschaftlichen Schaden für die Lufthansa könne er noch nicht abschätzen, „aber er ist erheblich“. Ein Sprecher von Air Berlin sagte: „Wir wollen zunächst den Schaden ermitteln. Dann warten wir ab, ob sich die Politik wirklich durchringen kann, Hilfe anzubieten. Dann schauen wir uns an, unter welchen Bedingungen diese geleistet werden.“ Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin sprach sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) strikt gegen Staatshilfen aus. „Wir können nicht einen Staat unterhalten, der bei jedem Risiko – sei es selbst produziert oder durch äußere Ereignisse hervorgerufen – einspringt“, sagte DIHK- Chef Hans Heinrich Driftmann dem Tagesspiegel.

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