Flugzeugträger : Iran spielt Krieg

Der Iran spielt Krieg und vernichtet Pappmaché. Unser Kolumnist Helmut Schümann findet das nicht nur lustig.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Ich hatte nie einen Panzer. Nicht mal einen olivgrünen Jeep. Kein Maschinengewehr und zu Karneval auch nur einen Tomahawk aus Gummi. Andere hatten Panzer, die zischten und knallten, und dann musste nur noch einer die kleinen Spielzeugsoldaten flachlegen und der Krieg war gewonnen. Kriegsspielzeug war bei uns verpönt, ist es heute noch, mit Recht, mit dem Entsetzen treibt man weder Scherz noch Spiel.

Im Iran sieht man das anders. Dort haben sie seit geraumer Zeit an einem Flugzeugträger gebastelt. Einem des Typs Nimitz. Der ist ziemlich groß, hat eine Länge von 332,85 Metern inklusive des Flugdecks, und eine Breite von 76,80 Metern. Diese Größe braucht so ein Ding, es soll ja neben 85 Flugzeugen auch noch 3200 Menschen Schiffsbesatzung tragen und 2480 fürs Flugpersonal. Ein ziemliches Monstrum also. Das iranische Monstrum unterscheidet sich aber vom US-amerikanischen Original auch dadurch, dass es nicht nuklearbetrieben ist. Der iranische Flugzeugträger ist nur ein Spielzeug. Was machen kleine Kinder mit ihrem Spielzeug? Sie machen es kaputt.

Rrrummms! Krawumm! machte es dieser Tage in der Straße von Hormus, und die über ein Jahr anhaltende Arbeit von zig Flugzeugträgerattrappenbauern war dahin und plumpste ins Wasser zwischen Arabischem Meer und Indischem Ozean. Und die Menschen, die von Land aus dem Spektakel zuschauten, jubelten. Das iranische Fernsehen übertrug live.

Absurd? Bescheuert? Ja, beides! Aber leider auch ernst gemeint, nämlich als Warnung an die USA. Eigentlich verhandelt das iranische Regime gerade auf friedliche Weise mit den Amerikanern über ein Atomabkommen. Nun spielte das iranische Fernsehen Worte des Staatsgründers Ayatollah Khomeini ein: „Wenn die Amerikaner auf dem Grund des Persischen Golfs begraben sein wollen, dann sei es so.“ Wenn Kinder Krieg spielen oder Räuber und Gendarm, sind sie auch martialisch: „Bumm, du bist tot!“ Nur dass sie anschließend nach Hause gehen und gemeinsam Kakao trinken oder so. So in etwa haben die Amerikaner auch reagiert auf das iranische Seemanöver: gelassen und eher belustigt.

Die Farce in der Straße von Hormus hat aber auch seine gute Seite. Solange das iranische Militär und seine Regierung mit Pappmaché rumbasteln, die Bastelei dann nachher mit Karacho in die Luft jagen und dabei echte Munition verballern, machen sie keinen anderen Blödsinn.

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