Zeitung Heute : Flutwelle reißt Schneise der Zerstörung

In Magdeburg steht das Wasser so hoch wie nie – und elbabwärts kommt das Schlimmste noch.

Magdeburg/Berlin - Für Zehntausende Helfer und Bewohner in den Hochwassergebieten startet die zweite Woche der Flut mit Hoffen und Bangen. Viele Dämme sind durchweicht und drohen zu brechen. Besonders dramatisch war die Lage am Samstag in Sachsen-Anhalt. In Magdeburg stieg der Pegel auf 7,38 Meter. Er liegt damit mehr als 60 Zentimeter höher als bei der Jahrhundertflut 2002.

Auch in Bitterfeld galt die Lage weiter als sehr kritisch. Entlang der Elbe und der Saale mussten tausende Flutopfer ihre Häuser verlassen. Wo das Wasser schon wieder abfließt, bleiben stinkender Schlamm und Sperrmüllberge zurück. Viele Anwohner leben weiterhin in Notquartieren. Bundesweit stemmen sich rund 70 000 Feuerwehrleute und 11 000 Soldaten gegen die Flut. Auch Angehörige der niederländischen und französischen Streitkräfte waren im Einsatz. Mindestens sieben Menschen starben bislang im Zusammenhang mit der Flut. Für die kommenden Tage melden Meteorologen örtlich Starkregen in der Mitte und im Süden Deutschlands sowie in den Elbe-Einzugsgebieten in Tschechien und Polen.

Sachsen-Anhalt: In Magdeburg ist die Lage nach Einschätzung der Behörden so kritisch wie noch nie. „Die nächsten Tage werden extrem und schwierig“, sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper. Der Stadtteil Rothensee musste evakuiert werden. Im Mündungsbereich der Saale in die Elbe forderten die Behörden 3000 Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. Die Regierung hob das Ladenschlussgesetz auf, damit Baumärkte und Lebensmittelläden auch abends offen sein können.

Brandenburg: Die Altstadt von Wittenberge wurde seit Samstagabend evakuiert. Etwa 1500 Einwohner sollten ihre Wohnungen verlassen. Gegen 19.15 Uhr erreichte die Elbe einen historischen Höchststand von 7,45 Meter. Das war ein Zentimeter mehr als beim bisherigen Rekord im Jahr 1880. Für Dienstag wird mit einem Höchststand von 8,10 Meter gerechnet, normal sind 2,77 Meter.

Sachsen: Sachsen hat den Scheitelpunkt der Elbeflut überstanden, doch noch sind Orte überschwemmt. In Dresden waren 4700 Haushalte ohne Strom. Hoteliers klagen über viele Stornierungen.

Schleswig-Holstein/Niedersachsen/Mecklenburg-Vorpommern: Das Hochwasser wird die Länder am unteren Lauf der Elbe voraussichtlich deutlich stärker bedrohen als bislang erwartet. Die Behörden warnten vor historischen Höchstständen im Lauf der kommenden Woche. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel betonte, das Hochwasser sei aber noch beherrschbar, wenn sich die jüngsten Prognosen bewahrheiten sollten.

Bayern: An der Donau ist das Hochwasser weitgehend überstanden – zurück bleiben Unmengen Schlamm. „Es ist eine stinkende Brühe“, sagte ein Stadtsprecher in Deggendorf.

Österreich/Ungarn: Auch donauabwärts in Österreich schaufeln Helfer Tonnen Schlamm aus zuvor überfluteten Ortschaften. Die Schäden werden mit der Jahrhundertflut 2002 verglichen. Das Rekordhochwasser nähert sich nun der ungarischen Hauptstadt Budapest. Tsp/dpa

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