FOLK-ELECTRONICAJunip : Vom Erfolg gebremst

„Musik, die so federt, schwebt und schwingt wie derzeit keine andere“, urteilte Soundcheck-Moderator Andreas Müller über „Fields“, das Debütalbum von Junip. Dahinter verbirgt sich ein schwedisches Folk-Electronica-Trio, dessen Sänger über die handelsübliche Indie-Popularität hinausgewachsen ist: Die Säuselstimme von José González (Foto, Mitte) umrundete vor fünf Jahren die Welt, als ein von ihm gesungener Song in einem Sony-Werbespot rauf und runter gedudelt wurde. Dass die Wahl auf „Heartbeats“ fiel, Coverversion eines ursprünglich im Dancefloorkontext zu verortenden Stücks seiner Landsleute The Knife, war eher Zufall – jedes Lied von González’ Debütalbum „Veneer“ und dem Nachfolger „In our Nature“ war von so erlesener Gediegenheit, dass es sich zur kommerziellen Weiterverwendung geeignet hätte.

Über den Hype um José González geriet ein wenig in Vergessenheit, dass der Sohn argentinischer Einwanderer Teil einer Band ist, die es angeblich schon seit 20 Jahren gibt: Mit Schlagzeuger Elias Araya (rechts) und Tastenmann Tobias Winterkorn (links) bildet er Junip, deren Debüt nach langem Vorlauf im letzten Spätsommer endlich erschien. Melancholische Melodiebögen, sparsames Sounddesign und verhaltene Tempi teilen sich Junip mit anderen Vertretern des Folk-Revivals im Indiepop. Doch wo einem etwa bei der simonandgarfunkeligen Bräsigkeit der Norweger Kings Of Convenience schon mal die Füße enschlafen, knistert bei Junip das elektronische Lagerfeuer, pluckern rhythmisierte Störgeräusche in den seligmachenden Liederreigen. „Erschütternd mitreißend“, befindet Andreas Müller. Wer wollte dem Radioeins-Experten widersprechen? Jörg Wunder

Lido, So 20.2., 15.30 und 21 Uhr, 19 €

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