FOLKPOPGrizzly Bear : Die stillen Meister

Jörg W er

Die Leute bei Warp haben es einfach drauf. Im Bereich der elektronischen Musik setzen die Macher des aus Sheffield stammenden Plattenlabels seit 20 Jahren mit innovativen Acts wie Aphex Twin, LFO oder Squarepusher Maßstäbe. In jüngerer Zeit blicken sie des Öfteren über den Tellerrand und mischen auch andere Popmusiksparten auf. Zum Beispiel Maxïmo Park: zumindest für zwei Alben die größte Hoffnung des britischen Rock- Revivals. Oder !!! – fabelhafter Glamrock-Discopunk mit durchgeknalltem Sänger.

Und natürlich Grizzly Bear: Das 2004 gegründete Quartett aus Brooklyn ist neben dem verrückten Schauspieler-Songwriter Vincent Gallo sicherlich der untypischste Warp-Act. Der zwischen kammermusikalischer Präzision und progressiv-psychedelischer Horizonterweiterung mäandernde Folkpop erreichte schon auf der zweiten Platte „Yellow House“ ein der Perfektion nahes Stadium. Beim dritten Album nimmt das endgültig meisterhafte Züge an. Auf „Veckatimest“, benannt nach einem winzigen Eiland an der US-Ostküste, präsentieren Grizzly Bear die überzeugendste Synthese zwischen frühen Genesis, späten Radiohead, Rufus Wainwright und Crosby, Stills, Nash & Young, die zurzeit auf dem Markt ist. Die Vorfreude in Berlin dürfte überdurchschnittlich groß sein, mussten die Fans doch lange genug auf einen Auftritt warten: Beim ersten Versuch 2006 wurde der Band kurz zuvor in Brüssel das Bühnenequipment geklaut, im Jahr darauf kamen nur Hamburg und Köln in den Genuss eines Konzerts. Aller guten Dinge sind drei. Jörg Wunder

Postbahnhof, Mi 11.11.,

21 Uhr, 19 €

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